Nach dem Umstieg auf Windows 95 gilt es, umzudenken: Besonders die passende Konfiguration für SLIP- oder PPP-Zugänge zum Internet bereitet im Netzwerkjargon nicht geübten Benutzern von Einzelplatzcomputern häufig Probleme.

Mit 32 Bit ins Internet:
Windows 95 Schritt für Schritt konfigurieren


© Heimo Ponnath, Funkschau 25(1995)

Schritt 0: Fragen an die Provider

Schritt 1: Das DFÜ-Netzwerk

Schritt 2: Treiber für DFÜ-Netz und TCP/IP

Schritt 3: SLIP-Script-Unterstützung

Schritt 4: TCP/IP-Grundkonfiguartion

Schritt 5: Neue Verbindung einrichten

Schritt 6: Festlegen der Verbindungseigenschaften

Schritt 7: Aufbau einer Probeverbindung

Schritt 8: Script erstellen

Schritt 9: Script testen und anwenden


Untersuchungen haben ergeben, daß die in Windows 95 integrierte 32 Bit WinSock.DLL eine bis zu 30% höhere Datendurchsatzrate bewirkt als die 16 Bit Varianten für Windows 3.1! Zusammen mit 32 Bit Clients wie Netscape 2.0 macht das Surfen im Netz dann richtig Spaß. Ein triftiger Grund also, sich mit der etwas komplexen Konfiguration zur Internet-Anbindung genauer zu befassen. Das soll hier Schritt für Schritt geschehen am Beispiel einer PPP-Verbindung (über CompuServe) und eines SLIP-Accounts bei einem anderen Provider.

Schritt 0: Provider-Auskünfte

Zunächst einmal ist der Provider dran: Die Auskunft über einige Parameter ist nötig, damit man die richtigen Einstellungen vornehmen kann. Handelt es sich um eine SLIP- oder um eine PPP-Verbindung? (bei CompuServe, im folgenden kurz CIS genannt, liegt eine PPP-Verbindung vor. Der andere Provider, kurz P genannt, soll per SLIP erreicht werden). Welche User-ID identifiziert den Benutzer? (CIS: Da ist das einfach die CompuServe-ID; P: Namen werden für jeden Account vergeben). Welches Paßwort wird bei der Einwahl erwartet? (CIS: Das sonst auch verwendete Paßwort; P: Paßworte gibt meist der Provider aus, manche lassen sich danach durch den Benutzer ändern). IP-Adresse? Hier treten zwei Varianten auf: Es kann sich um eine statische Adresse handeln - dann besitzt man für den Account immer die gleiche - oder um eine dynamisch vergebene - dann erhält man bei jeder Einwahl eine andere Adresse. (CIS: Dynamisch; P: nehmen wir mal statisch an). Die Einwahl-Telefonnummer ist bei CIS die gleiche, die man auch für den normalen Einwahlvorgang verwendet. Ein Provider teilt sie natürlich nach dem Vertragsabschluß mit.

Damit beim Verkehr im Internet auch die angesprochenen Zielcomputer gefunden werden können, ist die Angabe eines Nameservers wichtig (DNS genannt). Für CIS sind das vier mögliche Adressen (149.174.211.5, 145.174.213.5, 149.174.64.41 und 198.4.7.1), ein Provider sollte den DNS-Namen beim Vertragsabschluß mitteilen. Wichtig ist es, den Login-Dialog zu kennen, damit es möglich wird, ein Skript zum automatischen Verbindungsaufbau zu schreiben, und natürlich die eigene E-Mail-Adresse. Letztere ergibt sich bei CIS einfach aus der ID: 1234567.9876@compuserve.com. Ein anderer Provider teilt diese Adresse mit. Manchmal ist es auch nötig, den Domain-Namen zu kennen. Er besteht einfach aus den Angaben nach dem @-Zeichen in der E-Mail-Adresse.


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Schritt 1: Das DFÜ-Netzwerk

Damit überhaupt eine Modem-Verbindung zustande kommen kann, muß das DFÜ-Netzwerk von Windows 95 installiert sein. Dies gilt es, als erstes zu prüfen. Dazu öffnet man die Software-Einstellkarten (Start - Einstellungen - Systemsteuerung - Software) und sieht sich die Karte "Windows Setup" an. Bei "Verbindungen" muß ein Häkchen eingetragen und wenn man sich die Details ansieht, sollte auch "DFÜ-Netzwerk" aktiviert sein.

Sind alle Häkchen vorhanden, kann es gleich zu Schritt 2 weitergehen. Ansonsten müssen die Eintragungen nachgeholt werden. Beim Anklicken von OK lädt Windows 95 dann selbst die fehlenden Komponenten nach.


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Schritt 2: Treiber für DFÜ- Netzwerk und TCP/IP

Zwei Treiber sind für Internet-Verbindungen per Modem nötig: Daher sollte im zweiten Schritt kontrolliert werden, ob sie installiert sind. In der Konfigurationskarte der Netzwerkeinstellungen (Start - Einstellungen - Systemsteuerung - Netzwerk) sollten sowohl der DFÜ-Treiber als auch TCP/IP aufgelistet sein.

Ist das nicht der Fall, dann klickt man "Hinzufügen" an, dann doppelt auf "Netzwerkkarte". In der sich öffnenden Liste "Microsoft" auswählen und im rechten Feld "DFÜ-Adapter". Nach "OK" wird dieser Eintrag dann zu den Treibern hinzugefügt. Muß der TCP/IP-Treiber noch installiert werden, geht's ebenfalls über "Hinzufügen" in die Karte "Netzwerkkomponenten auswählen". Nach einem Doppelklick auf "Protokoll" sucht man wieder in der Liste "Netzwerkprotokoll auswählen" den Eintrag "Microsoft" und markiert im rechten Fenster "TCP/IP". Wieder wird der Treiber nach dem "OK" eingebaut.


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Schritt 3: SLIP-Skript-Unterstützung

Für spätere Schritte sind noch die Skript-Instrumente nötig. Zur Überprüfung, ob sie schon installiert sind, öffnet man die Karte "Installieren/Deinstallieren" von "Eigenschaften von Software" (Start - Einstellungen - Systemsteuerung - Software). Findet sich dort der Eintrag "SLIP-/Skriptunterstützung für DFÜ-Netzwerk", dann geht's weiter mit dem Schritt 4.

Muß dieser Eintrag nachgeholt werden, sollte spätestens jetzt die Windows 95 CD eingelegt werden. Dann öffnet man die Karte "Windows-Setup" und klickt "Diskette" an. In die sich öffnende Dialogbox eingeben (vorausgesetzt, das CD-Laufwerk hat die Bezeichnung D): D:\admin\apptools\dscript und OK drücken. Nun "SLIP-/Skriptunterstützung für DFÜ-Netzwerk" markieren und mit "Installieren" übertragen.


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Schritt 4: TCP/IP Grundkonfiguration

Über Start - Einstellungen - Systemsteuerung - Netzwerk geht's zu TCP/IP in der Liste der Netzwerkkomponenten. Nach dem Markieren "Eigenschaften" anklicken. Die einzelnen Karten sind am besten wie folgt auszufüllen. IP-Adresse = "IP-Adresse automatisch beziehen", WINS-Konfiguartion = "WINS-Auflösung deaktivieren", Gateway leer lassen, Bindungen = "Client für Microsoft-Netzwerke" bekommt ein Häkchen, Erweitert bleibt leer, DNS-Konfiguration = "DNS deaktivieren".


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Schritt 5: Neue Verbindung einrichten

Die allgemeinen Schritte sind abgeschlossen. Jetzt geht's an die Einrichtung der Verbindungen zu den einzelnen Providern. Beginnen wir mit der PPP-Anbindung über CompuServe.

Durch einen Doppelklick wird zunächst der Arbeitsplatz auf dem Desktop geöffnet und danach das DFÜ-Netzwerk. Das Anklicken von "Neue Verbindung erstellen" führt in einen Dialog. Hier ist zunächst ein Name zu kreieren, nennen wir die Verbindung also "CIS-PPP". Danach ist das Modem und der COM-Port dafür zu prüfen - und gegebenenfalls zu korrigieren. Es empfiehlt sich, hier die höchstmögliche Geschwindigkeit vorzugeben - aber nicht das Feld "Nur mit dieser Geschwindigkeit" zu markieren. Außerdem sollte zunächst einmal (für die ersten Verbindungstests) die Option "Terminalfenster nach dem Wählen" aktiviert werden. Nach dem Klick auf "OK" und dann "Weiter" ist noch die Einwahlnummer des Providers anzugeben - mit Landes- und Ortskennzahl. Nach dem letzten "Weiter" taucht dann ein neues Icon im DFÜ-Netzwerkfenster auf. Für die SLIP-Verbindung zum zweiten Provider wird dieser Dialog ähnlich durchgeführt.


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Schritt 6: Festlegen der Verbindungseigenschaften

Erst hier richten wir nun die Parameter genau auf das ferne Serversystem ein - zunächst wieder am Beispiel CIS-PPP. Das neue Icon wird ausgewählt und mit der rechten Maustaste das Eigenschaften-Fenster geöffnet. Auf der Allgemeinkarte sollte - der meist besseren Leitungen wegen - die Telefonnummer um die Ortskennzahl erweitert, dafür aber "Landes- und Ortskennzahl verwenden" deaktiviert werden. Die Schaltfläche "Konfigurieren" braucht meist nicht mehr angerührt zu werden: Da sind die Einstellungen im Normalfall schon bei Schritt 5 vorgenommen worden. Lediglich speziell nötige Änderungen wären noch nachzutragen.

Nun per Klick auf "Servertypen" die Konfiguration der Gegenstelle öffnen. Aus der Liste "Typ des DFÜ-Servers" wählt man für CIS-PPP die Einstellung "PPP: Windows 95, Windows NT 3.5, Internet" aus (für die SLIP-Verbindung zum anderen Provider ist das dann "SLIP: UNIX-Verbindung"). Die "erweiterten Optionen" werden alle deaktiviert, ebenso die "Zulässigen Netzwerkprotokolle", wo lediglich bei TCP/IP ein Häkchen stehen soll.

Über die Schaltfläche "TCP/IP-Einstellungen" kommt man nun zur IP- und DNS-Konfiguration. Für CIS-PPP ist "Vom Server zugewiesene IP-Adresse" zu aktivieren. (Beim SLIP-Provider mit statischer IP-Adresse muß hier dann nach "IP-Adresse festlegen" die eigene Adresse eingegeben werden). Weiter unten ist "Namensserveradressen festlegen" zu markieren und in die beiden Felder darunter trägt man die (bei CIS-PPP zwei der vier) im Schritt 0 erfragten DNS-Adressen ein. Inwieweit die beiden folgenden Felder "IP-Header-Komprimierung" und "Standard-Gateway ..." von Bedeutung sind, richtet sich nach der Konfiguration der Gegenstelle. Bei CIS-PPP bewirkte weder die Aktivierung noch die Deaktivierung einen merkbaren Unterschied.


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Schritt 7: Aufbau einer Probeverbindung

Jetzt kommen wir in die Testphase. Bevor die neuen Verbindungen automatisiert werden, empfiehlt es sich, sie erst einmal manuell zu erproben. Dazu öffnet man durch einen Doppelklick auf das neue Icon (über Arbeitsplatz - DFÜ-Netzwerk) CIS-PPP das Fenster "Verbinden mit", prüft noch einmal, ob alle sichtbaren Einstellungen korrekt sind (Benutzername und Kennwort müssen eventuell noch eingetragen - und per "Kennwort speichern" gemerkt werden) und aktiviert dann die Schaltfläche "Verbinden". Auch bei der SLIP-Verbindung geht man so vor - im folgenden aber gibt es einen Unterschied: Die CompuServe-Verbindung arbeitet zunächst im 7-Bit-ASCII-Code mit gerader Parität. Die Konsequenz ist ein schwer lesbarer Dialog beim Login.

Wenn das Modem die Telefonverbindung durchgeführt hat, öffnet sich ein Terminalfenster. Durch die andere Codierung muß man nun fast blind arbeiten: CTRL-C eingeben (der Bildschirm meldet schließlich - fast unleserlich - zurück: Name), dann die CIS-ID eingeben, direkt gefolgt von der Anweisung, eine PPP-Verbindung einzurichten. Das sieht dann z.B. so aus:

74431,655/go:pppconnect [ENTER-Taste]

Wieder meldet sich der CIS-Server mit schwer lesbarem Text, in dem er das Paßwort fordert. Dieses wird dann eingegeben und mit der ENTER-Taste gesendet. Schließlich meldet sich CIS zurück mit einer Bildschirmausgabe und ein Druck auf die F7-Taste entläßt uns aus der Unleserlichkeit in ein Fenster, in dem zunächst "Connecting to Internet" und dann "Connected..." steht. Wir sind im Internet und könnten nun die Client-Programme starten!


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Schritt 8: Skript erstellen

Wenn bei der Probeverbindung alles geklappt hat, dann ist es an der Zeit, den Vorgang zu automatisieren. Dazu bietet sich das in Schritt 3 installierte Skript-Verwaltungsprogramm an. Außerdem bietet Windows 95 für die verschiedenen Arten der TCP/IP-Verbindungen auch schon fertige Skripts an, die nur noch etwas anzupassen sind.

Über Start - Programme - Zubehör gelangt man zur "DFÜ-Skript Verwaltung. Aus dem dann geöffneten Fenster sucht man sich jetzt z.B. CIS-PPP aus. Der Skript-Name sollte nun in der rechts angeordneten Zeile - zusammen mit dem Pfad - erscheinen. Ist das nicht der Fall, dann öffnet "Durchsuchen" den passenden Ordner. Von dort holt man sich dann ein Skript namens "Cis.scp" in das Fenster. Beim genauen Hinsehen werden Sie dort u.a. auch ein Skript "Slip.scp" entdecken, das für die andere (die SLIP-) Verbindung von Bedeutung ist.

Die Schaltfläche "Bearbeiten" öffnet den Skript-Editor und wir können die Modifikationen vornehmen. Vier Änderungen sind es, die zum Ziel führen:

a.) Ersetzen von waitfor "Host" durch waitfor "Name:"
b.) Ersetzen von waitfor "User ID:" durch waitfor "ID:"
c.) Ersetzen von waitfor "Password:" durch waitfor "ssword:"
d.) Die Zeile waitfor "One moment..." kann wegfallen.

Das geänderte Skript ist dann mit Datei - speichern zurückzuschreiben und im "DFÜ-Skripts verwalten"-Fenster nach dem Aktivieren des Einzelschrittmodus durch "Übernehmen" zu bestätigen. Auf eine ähnliche Weise geht man beim SLIP-Skript vor. Hier muß man die Server-Antworten im Dialog kennen um sie entsprechend einzusetzen.


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Schritt 9: Das Skript testen und anwenden

Nun wird das Skript im Einzelschrittmodus überprüft. Dazu muß zunächst unbedingt die Option "Terminalfenster nach dem Wählen..." deaktiviert werden. Das geschieht über den Weg Arbeitsplatz - DFÜ-Netzwerk - Eigenschaften von CIS-PPP mit der rechten Maustaste öffnen - Konfigurieren - Karte Optionen.

Ist das geschehen, kann durch einen Doppelklick die Anwahl beginnen. Nach dem Aufbau der Verbindung öffnen sich zwei Fenster. Im "Automated Script Test" ist Zeile für Zeile das Skript mit der Step-Taste abzuarbeiten. Im Fenster "Running-C:\Programme\Zubehör\Cis.scp" kann man den Dialog mit dem fernen Server - jetzt durch die Umschaltung auf 7-Bit-ASCII lesbar - beobachten. Ist das Skript durchgeführt, ruft die Betätigung von "Continue" im Terminalfenster eine Meldung auf, die mitteilt, daß die eingegebenen Angaben überprüft werden, dann meldet sich das Fenster "Verbunden mit CIS-PPP". Wir sind im Internet!

Ist alles einwandfrei abgelaufen, ist nur noch der Einzelschrittmodus abzuschalten (Start - Programme - Zubehör - DFÜ-Skriptverwaltung - CIS-PPP - Cis.scp) und die Option "Terminalfenster minimiert starten" zu aktivieren. Von nun an öffnet jeder Doppelklick auf das CIS-PPP-Icon automatisch die Internet-Verbindung. Ähnlich ist mit der SLIP-Verbindung zu verfahren.

Ein Wort noch zum Abschluß: Wenn nicht alles so glatt läuft wie hier beschrieben, dann gibt es vielfältige Ursachen. Der Autor kann an manchen Tagen problemlos die CIS-PPP-Verbindung automatisch aufbauen, an anderen aber braucht er zwei Versuche im Einzelschrittmodus. Vermutlich ist daran die manchmal schlechte Qualität der Leitungen schuld. Andere Gründe - besonders bei Verbindungen zu weiteren Providern - können Fehler beim Dialog sein, bei den TCP/IP-Einstellungen, etc. Hier muß man jeden Eintrag genau prüfen und probieren, probieren,....


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