Am frühen Morgen des 11.April dieses Jahres wuchs die Internet-Gemeinde auf einem Schlag um 3 Millionen Mitglieder: Seit diesem Tag offeriert der größte kommerzielle Netzdienst - CompuServe - den vollen interaktiven Zugang in den größten Netzwerkverbund der Welt. Die mehr als 420 Einwahlknoten in 150 Ländern sollen seither flächendeckend überall und jederzeit die Verbindung in beide Datennetze per Point-to-Point-Protokoll erlauben.

"Internet made easy":
Von CompuServe ins Internet - und anders herum


© Heimo Ponnath, Online ISDN 8 (1995)

Netzgiganten reichen sich die Hand

Ausrüstung für Expeditionen ins Internet

Die Installation der Netz-Software

Was kostet das?

Provider - Alternativen

Software für den Allround-Internet-Anschluß

Einige Begriffsklärungen

Zum Thema Sicherheit

Kurze Wege durch das Netz


Der Zugang ins organisierte Chaos - wie das derzeit etwa 20 Millionen Teilnehmer umfassende Internet manchmal genannt wird - war bis vor kurzem nicht ganz einfach: Besonders die Suche nach günstigen, möglichst zum Telefon-Ortstarif erreichbaren Firmen (Providern), die diesen Zugang durch ihre Hard- und Software ermöglichen, war zeitraubend. Damit ist jetzt Schluß: Über CompuServe ist nun der volle, interaktive, weltweite Einstieg ins Netz auf einfache Weise garantiert! Oder muß man sich doch noch ein paar Gedanken zu diesem - scheinbar erledigtem - Thema machen?

Netzgiganten reichen sich die Hand

Mit etwa 3 Millionen Mitgliedern ist CompuServe der größte kommerzielle Netzdienst der Welt. Die gesamte Kommunikation läuft über die zentrale Computeranlage in Columbus, USA, von wo aus der Anwender mit einem klar strukturierten, gewaltigen Angebot von E-Mail-Verbindungen, vielfältigen Foren, Bibliotheken aller Art und mächtigen Recherche-Instrumenten versorgt wird. Die Kosten dafür sind - bei kontrollierter Nutzung der Dienste - moderat: Dazu später mehr.

Die Mutter aller Netze, das ca. 20 Millionen Teilnehmer umfassende Internet, hat dagegen so gut wie keine Struktur. Eine Unzahl von Computernetzen unterschiedlicher Architektur stehen hier miteinander in Verbindung. Es gibt lediglich die freiwillige Übereinkunft auf zwei Gemeinsamkeiten: Das Protokollpaket (TCP/IP und einige weitere Abkürzungen), das die reibungslose Kommunikation zwischen ihnen mittels kleiner Datenpakete garantiert, und ein Adressierungsschema, das jedem Rechner einen eindeutigen Namen gibt. Es hat fast den Charakter eines Schocks, wenn man zum erstenmal frei im Internet-Chaos schwimmt - und trotzdem kann man sich der Faszination dieser immensen, vielfältigen Informationsflut kaum entziehen!

CompuServe hat für seine Mitglieder das Schockerlebnis abgemildert: Portionsweise wurden sie immer weiter ins Internet gelassen. Schon 1989 konnte man von CompuServe ins Internet und zurück E-mail senden und empfangen: Für findige CompuServer schon der Beginn des Netz-Surfens über die Mail-Listen des Internet und die begrenzten Mail-Zugänge anderer Netzdienste (wie z.B. Archie zum Suchen nach Dateien und deren Download per E-Mail).

Aber erst 1994 wurde es spannender: Die Newsgroups des Internet (derzeit dürften das etwa 11.000 sein!) öffneten sich für CompuServer im ersten Jahresdrittel. Wie in den Mitteilungsbereichen der über 900 Foren von CompuServe - nur meist ohne jegliche Moderation - konnten hier Nachrichten ausgetauscht, Fragen gestellt oder einfach Statements veröffentlicht werden.

Von CompuServe-Mitgliedern ebenfalls schon seit langem sehr geschätzt sind die Bibliotheksteile der Foren, aus denen eine Fülle von Dateien (Programme, Texte, Bilder, etc.) auf den eigenen Computer zu laden sind. Auch das Internet kennt eine ähnliche Einrichtung: Mit dem FTP-Dienst (File Transfer Protocol) kann man sich öffentlich zugängliche Dateien aus tausenden, weltweit lokalisierten Servern downladen. Als etwa in der Mitte des Jahres 1994 auch dieser Dienst aus CompuServe heraus anzusteueren war, bekamen die CompuServer einen ersten Eindruck vom Internet-Chaos: Um sich per FTP eine Datei holen zu können, muß man wissen, wie sie heißt und von welchem der Millionen weltweit verteilten Computer sie aus welchem Verzeichnis abzuholen ist! Archie war das erste Suchinstrument, das dazu - per E-Mail - einsetzbar war, vorausgesetzt man wußte, wohin man diese Suchmail zu senden hatte.

Verwöhnt von interaktiven Geschehen innerhalb von CompuServe, atmeten viele Mitglieder auf, als gegen Ende 1994 auch der Telnet-Dienst - und damit der erste wirklich interaktive Zugriff auf das Internet - möglich wurde. Jetzt konnte man sich in all die ausgeklügelten Suchmöglichkeiten auf den dafür eingerichteten Internet-Servern als Telnet-Terminal einklinken. Hier kamen aber auch bald die Grenzen dieser Verbindung ans Licht: Telnet kann - besonders dann, wenn auf dem Verbindungsweg noch eine Protokollübersetzung nötig ist - recht langsam sein. Außerdem war der Terminalmodus des damals erhältlichen WinCim-Kommunikations-Programmes (mit dem man aus Windows heraus in CompuServe arbeitet) häufig nicht kompatibel mit der Emulation des Zielservers. Und drittens stolperte so mancher gestandene DOS- oder Windowshase schlagartig mitten in eine UNIX-Umgebung, die ihn mit einem ungewohnten Prompt zur Eingabe unbekannter Kommandos aufforderte.

Die CompuServe-Gemeinde wartete daher ungeduldig darauf, der Internet-Steinzeit zu entkommen und endlich im World Wide Web mittels einer gewohnten, einfachen, grafikorientierten Benutzeroberfläche surfen zu können. Seit dem frühen Morgen des 11. April 1995 ist das möglich - und schon begegnet man bei allerlei Gelegenheiten im WWW E-Mail-Adressen, die mit dem typischen "@compuserve.com" enden.


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Ausrüstung für Expeditionen ins Internet

Möchte man sich für den harten Alltag im Internet-Chaos wappnen, dann gehört dazu eine widerstandsfähige Ausrüstung. Sie besteht aus vier Teilen: Beratung, Provider, Hardware und Software. Drei davon findet man innerhalb von CompuServe, die Hardware ist (wenn Sie in CompuServe sind) ohnehin schon vorhanden und über Provider (neben CompuServe!) wird später noch gesprochen werden.

Beratung ist für den Einsteiger ins Internet unerläßlich! Man kann ein noch so alter, vor Erfahrung ergrauter DOS- oder Windowsspezialist sein, das Internet mit all seinen tief verwurzelten UNIX-Bezügen führt dennoch von einer Verwirrung zur anderen. CompuServe stellt hier eine Fülle von Rat und Tat bereit: GO INTERNET führt in ein Menu, das (fast) alle auf das Internet bezogenen Angebote enthält. Neben drei Zugängen ins Internet (FTP, NewsGroups, Telnet) finden sich hier auch Einstiegspunkte in zwei Foren. Das Internet New Users Forum (GO INETFO) berät in 17 thematisch sortierten Sektionen zu allen Problemen eines Internet-Neulings. Das Internet Resources Forum (GO INETRE) steht mit 22 Sektionen vor allem dem Internet-Freischwimmer - und darüber - zum Austausch zur Verfügung. Beide Foren bieten in ihren reichhaltigen Bibliotheken Unmengen von Material (Texte, Software, etc.) zum Internet an. Wer sich nicht so gern in englischer Sprache verständigen möchte, der findet auch in vielen deutschsprachigen Foren Hilfen zum Internet. Beispiele dafür sind das DMV-Forum (GO DMVGER), das die Sektion 6 dem Internet gewidmet hat und das Deutsche Computerforum (GO GERNET), das die Sektionen 6 und 7 für die Themen Internet und WWW reserviert hat.

Zur Hardware für Internet-Expeditionen: Möchte man das World Wide Web voll ausnutzen, dann sind die Anforderungen an den Computer ziemlich hoch! Es sollte sich dann schon mindestens um einen schnellen 80386er handeln, mit einem RAM-Ausbau auf wenigstens 8MByte und einer Festplatte über 100MByte. Zusätzliche Anforderungen stellen Audio- und Videosequenzen - der Computer sollte dann auch über gewisse Multimedia-Fähigkeiten verfügen. Selbst wenn diese hohen Ansprüche nicht bestehen: Ein schnelles Modem ist bei den zu übertragenden Datenmengen unerläßlich. Langsamer als 9600bps darf es nicht sein, 14400bps sind empfehlenswert, 28800bps wären besser, können aber - bei einem Anschluß über CompuServe - nur selten zum vollen Einsatz kommen.

Bei der Software sei als Voraussetzung Windows 3.1 (die am häufigsten anzutreffende Konfiguration) angenommen. Soll die Internet-Anbindung über CompuServe erfolgen, dann sind es drei Komponenten, die (fast) alle Varianten der Kommunikation zwischen CompuServe und dem Internet (und zurück) erlauben: WinCim 1.4, NetLauncher und SpryMosaic. Alle drei werden von CompuServe per Download zur Verfügung gestellt.

Der Netlauncher hat vor allem zwei wichtige Funktionen: Zum einen wickelt er den Einwahlprozeß zum CompuServe-Netzknoten ab. Dazu bedient er sich der Einstellungen, die man für den WinCim festgelegt hat (Telefonnummer, Datenrate, User-ID, Passwort, etc.) und des PPP-Standards (PPP=Point-to-Point-Protocol, sorgt für fehlerfreie Verbindungen ins Internet über Einwahlverbindungen aus dem Telefonnetz). Danach verschwindet er im Hintergrund und geht seiner zweiten Arbeit nach: Er übersetzt alle ausgesandten Daten in handliche Päckchen nach dem TCP/IP-Standard des Internet - und eingehende Datenströme aus diesem Standard zurück in das Format, das der Computer versteht. Man nennt solch ein Programm auch einen WinSock.

Internet-Gurus bezeichnen Programme, die irgendwelche speziellen Kommunikationsaufgaben im Internet wahrnehmen, als Clients. Das rührt vom Client-Server-Modell her: Ein Server ist ein Computer, der Internet-Dienste, z.B. eine Anzahl von World Wide Web Seiten, zur Verfügung stellt. Clients (Klienten) rufen diese Dienste ab. SpryMosaic ist ein solcher WWW-Client, der neben dem World Wide Web eine ganze Anzahl weiterer Internet-Dienste beherrscht: So kann man damit auch als Gopher-Client (Gopher ist ein menüorientiertes Suchsystem) arbeiten, per FTP Dateien laden, in NewsGroups stöbern, per Telnet andere Computer fernbedienen oder E-Mail versenden. Benutzt man diese Dienste nicht regelmäßig, dann reicht SpryMosaic für die Internet-Expedition als Allround-Client völlig aus.

Das Besondere an der neuesten WinCim-Version 1.4 ist vor allem, daß dieses Programm ebenfalls als Internet-Client arbeiten kann! So ist es sehr einfach, bei einer bereits bestehenden Internet-Verbindung (über ein WinSock und TCP/IP, SLIP oder PPP) auch CompuServe mit der gewohnten WinCim-Oberfläche zu bedienen. Daneben bietet WinCim 1.4 auch eine VT100 Terminal-Emulation, die für den Telnet-Zugang zu bestimmten Servern unerläßlich ist und sogenannte Hyperlinks. Solche Hyperlinks kennt z.B. auch Spry Mosaic (sie sind geradezu das Herausragende am World Wide Web!): Klickt man mit der Maus auf bestimmte, besonders gekennzeichnete Text- oder Bildstellen, wird man automatisch mit darauf bezogenen weiteren Informationen versorgt - im Falle des WWW bedeutet das häufig den Aufbau einer Verbindung zu einem weiteren Computer.


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Die Installation der Netz-Software

Vor den Preis haben die Götter (und auch CompuServe) den Fleiß gesetzt. Der hält sich allerdings in Grenzen, denn das Laden und Installieren der drei Programme ist - vorausgesetzt man beachtet auch das "Kleingedruckte" - sehr einfach. Noch eine Bemerkung: Prüfen Sie Ihre AUTOEXEC.BAT! Dort muß eine Zeile enthalten sein, die etwa so aussieht:

SET temp=C:\TEMP

Anstelle von C:\TEMP kann es natürlich auch D:\TEMP oder C:\ZWISCHEN\MUELL\TEMP etc. heißen, jedenfalls sollte solch ein Verzeichnis vorhanden und dieser SET-Wegweiser eingerichtet sein.

Die neue WinCim-Version erhält man, wenn man folgende Schritte (bei einer schon bestehenden Verbindung zu CompuServe) nachvollzieht:

1. GO WINCIM
2. DOWNLOAD WINCIM
3. DOWNLOAD VERSION 1.4
4. DOWNLOAD COMPLETE WINCIM PROGRAM

Dann hat der Computer einiges zu tun: Etwa 2,84 MByte groß ist die Datei WCINST.EXE, die man danach im angegebenen Download-Verzeichnis wiederfindet. Zur Installation braucht man etwa 6MByte Platz auf der Festplatte. Aus dem Program-Manager startet man mittels "Ausführen" WCINST.EXE, wodurch zunächst die gepackten Datein entwirrt und dann interaktiv Ordner angelegt und gefüllt, Treiber eingerichtet und eine Programmgruppe erstellt wird. Den Rest der Installation nimmt man - nach dem Start des neuen WinCim - vor allem im Menü "Special" von Hand vor: Bei den "Session settings" und den "Preferences" sind einfach die vorherigen Einstellungen zu übernehmen. Zusätzlich sollten Sie, falls Sie auch die Ansteuerung von CompuServe durch das Internet planen, in den "Session settings" eine neue Verbindung einrichten, die für Connector die Angabe "WINSOCK", für Network die Angabe "Internet" und für Dial Type "Direct" enthält. Die anderen Felder haben den gleichen Inhalt wie Ihr normaler Verbindungsweg.

Die beiden anderen Programme (NetLauncher und SpryMosaic) sind als eine Datei mit dem Namen CNL.EXE (Umfang etwa 1,27 Mbyte) zu laden. Am einfachsten geht das nach dem Kommando GO PPP und den anschließenden Auswahlen (NetLauncher for Windows - Download NetLauncher - Download NetLauncher - ...). Auch hier startet man zur Installation das Programm aus dem Programm-Manager (mit "Ausführen") und das entpackt alle Files, richtet Ordner, Treiber und die Programmgruppe ein. Danach kann man sofort loslegen: Ein Doppelklick auf das Mosaic-Symbol ruft zunächst den NetLauncher auf, der - mit den Einstellungen aus dem WinCim - die Verbindung ins Internet über CompuServe herstellt, um anschließend die WWW-Startseite (von CompuServe) zu zeigen. Eine große Anzahl weiterer interessanter Verbindungen stellt die Hotlist bereit - und wenn man dann die blauen Textpassagen (die Hotlinks, oder blau umrandete Bilder) anklickt, kommt man zu nächsten Verbindung, von da aus wieder zur nächsten,... Willkommen beim Surfen in der Unendlichkeit!

Über den Menüpunkt "Options" und auch den darunterliegenden "Configuration" kann Mosaic noch individuell gestaltet werden. Sogenannte Viewer lassen sich ebenfalls noch einbauen: Viewer sind externe Programme, die im WWW übermittelte Text-, Bild-, Ton- oder andere Informationen lesbar (oder hörbar) machen bei Datei-Formaten, die SpryMosaic selbst nicht erkennt. Solche Viewer findet man zum Laden an vielerlei Orten im Internet (und in CompuServe, z.B. im Internet Resources Forum, GO INETRE).


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Was kostet das?

Es gibt im Prinzip zwei Arten der Mitgliedschaft bei CompuServe: Nach dem Standard-Preissystem und nach dem alternativen System. Das letztere wird - weil es meist recht ungünstig ist und daher kaum gewählt wird - hier nicht berücksichtigt. Die monatliche Grundgebühr für das Standardsystem beträgt $9.95. Die Anwahl einer Reihe von Diensten verursacht zusätzliche Kosten, die meist von der Verbindungsdauer abhängen. Ebenso verhält es sich mit den CompuServe-Zugängen ins Internet, die mit einer Kennung (I) versehen sind: FTP (File Transfer Protocol), Telnet, die Newsgroups und der interaktive PPP-Zugang (über NetLauncher).

Ist man nur gelegentlich am Internet interessiert, dann hat man unter Umständen nichts zu bezahlen: Bis zu drei Stunden pro Monat darf man umsonst surfen. Zur Kasse gehts erst darüber hinaus: Dann werden für jede Stunde $2.50 fällig. Nutzt man den Internet-Zugang monatlich neun oder mehr Stunden (das ist wahrscheinlich der Regelfall), dann lohnt es sich, dem Internet-Club von CompuServe beizutreten. Hier zahlt man eine monatliche Clubgebühr von $15,- (macht also zusammen mit der CompuServe-Monatsgebühr $24.95) und kann dafür dann bis zu 20 Stunden im Monat ohne weitere Kosten im Internet stöbern. Jede weitere Monatsstunde verursacht zusätzliche Gebühren von je $1.95.

Interessant an dieser relativ moderaten Gebührenstruktur ist, daß man 24 Stunden am Tag den Zugang nutzen kann und daß die Informationsmenge, die man vom Internet in den Computer transportiert, keine Rolle spielt. Außerdem ist es natürlich ein großer Vorteil, mit ein und demselben Account von über 420 Einwahlknoten in 150 Ländern der Erde die beiden wichtigsten Datennetze nutzen zu können. Das strebt zwar auch das IBM.net an, die Anzahl der Einwahlknoten in verschiedenen Ländern ist aber deutlich niedriger und die Kosten erheblich höher (DM26,- Grundgebühr inklusive drei Nutzungsstunden pro Monat, dann aber DM7,- für jede weitere Stunde). Nebenbei bemerkt: Selbstverständlich sind zu diesen speziellen Kosten jeweils noch die Verbindungsgebühren hinzuzurechnen, die der jeweilige Leitungsnetzbetreiber fordert, in Deutschland also die Telekom mit DM-.23 pro Gebühreneinheit.

Was aber, wenn man zu den neugierigen Menschen gehört, die jeden Tag etwa zwei Stunden im Netz zubringen? Dann hat man als Internet-Club-Mitglied bei CompuServe monatlich etwa $100,- zu zahlen! Geht es auch preiswerter?


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Provider-Alternativen

Ein Provider stellt nicht nur den Einwahlknoten zur Verfügung, über den man per SLIP (Serial Line Internet Protocol) oder PPP (Point to Point Protocol) die interaktive Kommunikation mit dem Internet aufnehmen kann. Mindestens ebenso wichtig ist die Möglichkeit, E-Mail zu senden - und vor allem zu empfangen - auch wenn man keine Dauerverbindung zum Netz hat. Der Provider stellt zu diesem Zweck eine Art Briefkasten zur Verfügung, der vom Nutzer bei Bedarf geleert wird.

Zwei Angaben legen diesen Briefkasten fest. Zum einen ist es die E-Mail-Adresse. Bei CompuServe lautet sie z.B. 74431.655@compuserve.com, wenn der Nutzer die CompuServe-Adresse 74431,655 hat. Zum anderen ist es wichtig zu wissen, wo sich der Briefkasten befindet, also auf welchem Computer. Der SMTP-Server (Simple Mail Transfer Protocol, benannt nach dem Mail-Standard des Internet) von CompuServe hat die Bezeichnung mail.compuserve.com. Gleichgültig, wo man sich als Nutzer auf der Welt befindet: Richtet man sein E-Mail-Programm auf seinen SMTP-Server aus, dann kann man von überall her den Briefkasten leeren.

Zwar hat CompuServe weltweit eine große Anzahl von Einwahlknoten, das Netz weist aber doch eine ganze Reihe von Löchern auf. So gibt es z.B. für die gesamte Türkei nur einen Knoten in Istanbul - und der ist nicht von CompuServe, sondern einem Vertragspartner namens Scitor, der weltweit seine Knoten für CompuServe bereithält. Für dieses SITA-Netz existiert bisher noch kein WinCim-Script. Die Einwahl muß daher manuell erfolgen (falls jemand von den Lesern ein Script dafür entwickelt hat, würde das - jedenfalls beim Autor - auf einige Resonanz stoßen) über ein Terminal-Programm. Das hat zwei Konsequenzen: Zum einen fühlt man sich in die Anfangsjahre der Datenkommunikation zurückgeworfen, denn der Verkehr mit CompuServe spielt sich dann im kommando-orientierten ASCII-Modus ab. Zum anderen aber kann man den NetLauncher nicht benutzen - und hat damit keinen Zugang ins Internet! Und zum dritten wird die Sache recht kostspielig, denn neben den weiten Entfernungen (so liegen viele türkische Städte weit über tausend Kilometer entfernt von Istanbul), die zu hohen Telefongebühren führen, verlangt Scitor auch noch recht kräftige Kommunikationsgebühren ($18,- pro Stunde in der Türkei - und das ist noch die preiswerteste Gebühr). Die Türkei ist hier nur ein Beispiel, das der Autor selbst ausprobiert hat: Solange man sich nicht in den hochtechnisierten westlichen Ländern mit einem hohen Infrastrukturstandard befindet, wird man vor einer ähnlichen Situation stehen.

Das Internet hat vermutlich zehnmal so viele Nutzer wie CompuServe. Das legt den Gedanken nahe, daß auch die Anzahl der Einwahlknoten dichter sein muß. Tatsächlich ist das - auch in der Türkei überprüft - der Fall. Hier wird man zwar nicht viele private Provider finden, dazu ist der Bedarf - und damit eben auch der Geschäftsumfang - noch zu gering. Aber die meisten Hochschulen sind im Internet und viele davon vermieten gegen geringes Entgelt SLIP/PPP-Zugänge. Einige bieten darüber hinaus auch einen sogenannten Point of Presence: Das sieht dann so aus, daß ein Durchreisender - nach vorheriger Absprache mit dem System-Administartor - mit seinem Notebook-Computer im Rechenzentrum der Hochschule für eine begrenzte Zeit ans Netz angeschlossen sein darf. Auch das ist nicht selten ein SLIP/PPP-Zugang. Nebenbei bemerkt: Mit dem neuen WinCim 1.4 kann man dann auch in der gewohnt luxeriösen Weise in CompuServe - über das Internet - arbeiten.

Weiter oben wurde festgestellt, daß der CompuServe-Internet-Zugang bei intensiver Nutzung recht kostspielig werden kann. Wie sieht die Situation bei anderen Providern aus? Beispielhaft sollen zwei überregional arbeitende Organisationen vorgestellt werden. Zum einen ist das ein Verbund von Providern aus dem ContribNet und der POP-GmbH, die bundesweit in etwa zwei Dutzend Städten zu nahezu gleichen Tarifen SLIP- und PPP-Anschluß bieten. Zum anderen handelt es sich um das MAZ-net, das derzeit sein Angebot auf über 50 Städte im Bundesgebiet ausweitet. Beide Anbieter arbeiten mit monatlichen Pauschalen. Der günstigste Zugang bei ContribNet/POP ist der "Mondscheintarif": Für DM57,50 hat man unbegrenzten Zugang werktags zwischen 18.00h abends und 8.00h morgens, sowie 24 Stunden am Wochenende und an Feiertagen. Dieser Anbieter stellt einen hohen technischen Standard zur Verfügung, der sich in reibungslosem Zugang und Datenverkehr ausdrückt. Er macht keinen Unterschied zwischen Privat- und Geschäftskunden - und unterstützt Neueinsteiger tatkräftig mit Informations- und Softwareangeboten. Das MAZnet hat speziell für private Nutzer sein NetSurf-Angebot bereit: Hier kann man für nur DM35,- rund um die Uhr ins Internet! Aber fragen Sie vor dem Vertragsabschluß - besonders bei den preiswerten Accounts - genau nach: Häufig sind solche Accounts nämlich mit reduzierten technischen Möglichkeiten (z.B. geringe Kapazitäten, kein SLIP/PPP-Anschluß, zu wenig Bandbreite) verbunden. Möglicherweise verbringt man dann die meiste Zeit damit, ein Besetztzeichen bei der Einwahl zu hören.

Die erste Grafik zeigt die Preisverhältnisse in Abhängigkeit von der monatlichen Nutzungsdauer. Alle Preise wurden in US-Dollar umgerechnet (zu einem etwas willkürlichen Kurs von DM1.50) damit man vergleichen kann. In der zweiten Grafik ist die jeweils kostengünstigste Anbindung markiert (hier sind nur die Alternativen von CompuServe und dem ContribNet/POP betrachtet). Man muß - je nach vorraussichtlicher Internetnutzung - vier Fälle unterscheiden:

Bis zu 32 Stunden beliebigen Internet-Zuganges pro Monat ist man mit CompuServe bestens bedient. Unter neun Stunden lohnt es sich dabei, den normalen Standard-Account zu verwenden, darüber hinaus fährt man im CompuServe-Internet-Club am günstigsten. Danach scheiden sich die Geister: Nutzt man das Internet geschäftlich, dann braucht man den Anschluß vor allem tagsüber an den Werktagen. Es bleibt dann nichts anderes übrig, als auch bei einer monatlichen Nutzung von mehr als 32 Stunden mit dem CompuServe-Club-Account weiterzuarbeiten (oder bei besonders hoher Nutzung, etwa ab 100 Stunden, spezielle Verträge mit anderen Providern zu schließen: Da gibt es dann manchmal Sonderkonditionen).

Ist es aber möglich, bei höherer monatlicher Verbindungszeit die 32 Stunden übersteigende Anschlußzeit per Mondscheintarif zu nutzen, dann sollte man außer dem CompuServe Standard-Account auch noch einen Vertrag mit einem anderen Provider (wie hier im Beispiel ContribNet/POP) abschließen. Bis zu 40 Stunden beliebiger Nutzung bietet die letzte Variante: Plant man mehr monatliche Verbindungszeit, dann wird der übersteigende Anteil ebenfalls zum Mondscheintarif gerechnet. Für dieses Modell besitzt man einen CompuServe-Internet-Club-Account und kombiniert den mit einem Mondschein-Vertrag bei z.B. ContribNet/POP.

Schließlich gibt es noch ein drittes Argument, das beim Abwägen über den CompuServe-Internetzugang eine Rolle spielt: Der gesamte Datenverkehr der CompuServe-Internetverbindung läuft über die Serveranlagen in Columbus, USA. Nahezu zwangsläufig ergeben sich dabei Spitzenlastzeiten, die Probleme hervorrufen können (z.B. niedrige Datenrate, Störungen beim Einloggen, Hinauswurf bei laufender Verbindung). Einen anderen Provider an der Hand zu haben, über den man dann ins Internet gehen kann, ist recht beruhigend.

Es zeigt sich aus diesen Überlegungen, daß die beste Lösung oft eine Kombination aus zwei Providern ist: CompuServe (auf diesen Netzdienst können viele ohnehin schon lange nicht mehr verzichten) und ein günstiger Anbieter vor Ort. Dann aber reichen die bisher vorgestellten Programme nicht mehr aus. Was braucht man noch?


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Software für den Allround-Internet-Anschluß

Zunächst einmal muß man sich ein anderes WinSock-Programm zulegen: Der NetLauncher arbeitet nämlich mit den WinCim-Scripts zusammen - erlaubt also nur den Anschluß über CompuServe. Sehr verbreitet - weil als Shareware für 30 Tage umsonst zu haben - ist hier Trumpet WinSock von Peter R. Tattam (Hobart in Tasmanien). Die neueste Version 2.0 findet sich z.B. in der Bibliothek des GERWIN-Forums (GO GERWIN) als TPWSK2.EXE (186145 Byte). Es handelt sich um eine selbstextrahierende Datei. Einzelheiten zur Konfiguration liefert ein Readme-File - oder ein netter Provider. Trumpet Winsock ist völlig frei konfigurierbar und kann mit Scripts betrieben werden, die dem jeweiligen Einwahlprotokoll anzupassen sind.

Es gibt bei der wahlweisen Verwendung von Trumpet Winsock und dem NetLauncher ein Problem: NetLauncher drängelt sich in der Vordergrund und benennt bei seiner Installation sogar den wichtigsten Teil von Trumpet Winsock (die Datei Winsock.dll) um. Generell gibt es dann zwei Lösungen: Zum einen könnte man ganz auf den NetLauncher verzichten, indem man ein Script für Trumpet Winsock schreibt, das auch die Anwahl der CompuServe-PPP-Knoten erlaubt. Ein Musterscript dafür findet sich z.B. in der Library 5 des Euro-Forums (GO EURFORUM) unter dem Namen TRUMPET.TXT. Allerdings muß man dann z.B. bei Passwort-Änderungen jedesmal auch das Script verändern. Die andere Variante erlaubt die Nutzung beider Winsocks mit folgenden Schritten: Zunächst erhält Winsock.dll seinen alten Namen zurück und wird in den Ordner Trumpet (der ohnehin meist bei der Installation eingerichtet wurde) verschoben. Weder im Wurzelverzeichnis noch im Windows- oder im System-Ordner sollte diese Datei dann noch enthalten sein. Dann prüft man die Path-Angaben in der Startdatei AUTOEXEC.BAT. Man richtet dort einen Wegweiser auf den Trumpet-Ordner ein - und zwar als letzte Pfadangabe. Nach einem Neustart des Computers müßten nun beide Winsocks (der von Trumpet und der NetLauncher) ohne sich zu stören arbeiten, vorausgesetzt, sie werden jeweils nach der Verwendung ordnungsgemäß geschlossen. Es scheint Konfigurationen zu geben (in einigen Foren wurde davon berichtet), die vor dem Winsock-Umstieg den Neustart von Windows erfordern - beim Autor ist das nicht der Fall.

Weitere Software ist nicht nötig: SpryMosaic arbeitet ohne zu murren auch mit Trumpet Winsock zusammen - manche schwören allerdings auf Netscape als WWW-Browser (die neueste Version 1.1N ist per FTP an der Adresse ftp.netscape.com/netscape1.1/windows zu finden. Es gibt da eine 16-bit Version namens n16e11n.exe und eine 32-bit Version n32e11n.exe).

Falls man viel E-Mail in Internet austauscht oder gar an sehr aktiven Mail-Listen teilnimmt, empfielt sich noch die Installation eines E-Mail-Clients. Wenn man nämlich dazu den WinCim verwendet (das ist bei der Benutzung des CompuServe-Accounts möglich), entstehen für jede Mail zusätzliche Kosten: Für die ersten 7500 Zeichen $0.10 und jeweils $0.02 für jeden weiteren Block von 7500 Zeichen - sowohl beim Senden als auch beim Empfang! Zwei E-Mail-Programme sind besonders verbreitet: Eudora und Pegasus. Beide finden sich bei CompuServe im Internet Resources Forum (GO INETRE). Eudora 1.4.4 ist dort in der Library 4 als selbstextrahierende Datei EUDORA.EXE (292942 Bytes) enthalten, Pegasus for Windows (als WINPM.ZIP 837801 Bytes) muß mit PKUNZIP noch "entzipped" werden. Zu Eudora gibt es noch einen gewaltigen Handbuch-File im WinWord-Format (Über 100Seiten!). Beide Programme sind aber so einfach zu bedienen, daß man mit den knappen Readme-Texten und der integrierten Online-Hilfe meist auskommt. Welchem von beiden man schließlich den Vorzug gibt, ist Geschmacksache: Allerdings scheint es bei dieser Shareware-Version von Pegasus bei einigen Konstellationen Probleme beim Versenden von E-Mail zu geben.

Damit ist - für den beliebigen, weltweiten Einsatz - eine Rundum-Versorgung mit Online-Diensten gewährleistet: CompuServe kann mit dem WinCim 1.4 auf die klassische Weise, also über die Einwahlknoten, oder als WinSock-Client über das Internet angesteuert werden. Die Internet-Dienste FTP, Telnet, NewsGroups und E-Mail sind ebenfalls über den WinCim 1.4 bequem zu benutzen. Das World Wide Web (und mit den WWW-Browsern intergrierte Dienste wie Gopher etc.) des Internet kann mit SpryMosaic oder Netscape ergründet werden. Beide arbeiten sowohl mit dem NetLauncher als auch mit Trumpet WinSock zusammen - ebenso wie Eudora oder Pegasus als E-Mail-Programme.


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