Telearbeit: Eine neue Chance?


© Heimo Ponnath, (Die Geschäftsidee V/96)

Neue Chancen
Formen von Telearbeit
Arbeitsfelder
Die Unternehmersicht
Voraussetzungen für Telearbeiter
Die nötige Ausstattung
Hilfen zur Telearbeit
Die rechtliche Seite (Dr. Frisch)
Quellen


Vermutlich starben die Dinosaurier aus, weil sie zum Überleben zu schwerfällig wurden. Einige Wirtschaftswissenschaftler ziehen diese Parallele um zu zeigen, daß unbewegliche hierarchische Strukturen in der neuen globalen, flexiblen Ökonomie bald nicht mehr existenzfähig sein werden. Ein Kind der dritten industriellen Revolution ist die Telearbeit.

Der Berliner Diplombetriebswirt Carsten Eichhorn (27) ist Informationbroker. Er beschafft seinen Kunden schnelle und kostengünstige Informationen. Die dazu nötigen Firmen-, Markt- und Produktrecherchen führt er zum überwiegenden Teil online aus mit Hilfe von Datenbanken in weltweiten Computernetzen - ein typischer Telearbeiter.

Information ist zum vierten großen Wirtschaftsfaktor geworden - so wichtig wie Rohstoffe, Arbeit und Kapital [1]. 1994 erreichte die deutsche Informationswirtschaft ein Marktvolumen von 382 Milliarden DM - etwa 11% des Bruttoinlandsprodukts [2] - und die Tendenz ist steigend. Das Besondere an der Handelsware Information ist, daß sie sich leicht in elektronischer Form (als Bits) speichern, verarbeiten und transportieren läßt. Diese Arbeitsgänge werden seit Jahren mit immer leistungsfähigeren und preiswerteren Computern und Netzwerken ausgeführt. Nahezu unbemerkt aber hat sich inzwischen ein Dimensionssprung vollzogen: Durch die moderne Kommunikationstechnologie wurde ein großer Teil der ursprünglich isolierten kleinen Firmennetze miteinander verwoben: Derzeit dürften mehr als 40 Millionen Computer weltweit ein gemeinsames Netz bilden!

Telearbeit ist eine Konsequenz dieses Aspektes der dritten industriellen Revolution [3]: Wenn Informationen von einem Computer zum anderen gesendet, dort verarbeitet und dann wieder weiter gereicht werden, dann spielt es kaum eine Rolle, ob sich die beteiligten Rechner (und die Menschen, die an ihnen arbeiten) im nächsten Zimmer, in der nächsten Stadt oder sonstwo auf der Welt befinden. Informationbroker Eichhorn kann sich zur Recherche z.B. an einen Terminal im Gebäude des Hamburger Weltwirtschaftsarchivs begeben. Genausogut aber ist dieses Archiv von seinem Computer zu Hause in Berlin bedienbar - oder durch einen Kollegen in Tasmanien. Telearbeit ist die Arbeit aus der Ferne mit den Mitteln der modernen Telekommunikations- und Informationstechnik [4].


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Chancen der Telearbeit

Fragt man heute Unternehmensberater, welche Maßnahmen die größten Chancen für das Überleben von Betrieben bieten, dann fallen ganz bestimmte Leitworte - und das Interessante daran ist, daß eine ganze Reihe von Konsequenzen daraus nahezu zwangsläufig zur Telearbeit führen. Dr. Peter Fischer (50) ist einer dieser Berater und er zählt sie auf [5]: Schnelligkeit, Customizing, Total Quality und Outsourcing.

Schnelligkeit: Mit welcher Geschwindigkeit neue Produkte entwickelt und hergestellt werden können, das ist ein wirtschaftlicher Faktor von entscheidender Bedeutung. Die Zeit zwischen Auftragserteilung und -erledigung oder die des Innovationszyklus spielt häufig eine wichtigere Rolle als der niedrigere Preis: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Eine Konsequenz ist z.B. die Nutzung der Zeitverschiebungen zwischen den Kontinenten per Telekommunikation: Wenn der Entwicklungsingenieur in Deutschland Dienstschluß hat, arbeitet sein Kollege in den U.S.A. am gleichen Projekt weiter, übergibt es dann an den Ingenieur in Australien und wenn es wieder in Deutschland ankommt, dann stecken nicht nur acht Stunden, sondern 24 Stunden Arbeit im Projekt: Es wird dreimal so schnell entwickelt.

Customizing ist das Gegenteil von Massenfertigung, nämlich eine Einzelanfertigung für die speziellen Bedürfnisse eines Kunden [6]. Die Problemlösungskompetenz von Unternehmen wird künftig entscheidend für die Kundenbindung sein - und sie ist durch neue Techniken in Produktion und Organisation kostengünstig realisierbar. Besonders die kleinen Betriebe oder Selbstangestellte weisen die nötige Flexibilität auf, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Ein Beispiel dafür ist das telearbeitende Programmiererpaar Elsa Kiel und Werner Nürnberg in Hamburg, das seinen Auftraggebern maßgeschneiderte Software liefert.

Total Quality besagt, daß nicht nur so fehlerfrei wie nötig gefertigt werden soll, sondern so fehlerfrei wie möglich [7]. Außerdem zielt dieses Konzept auf die Kundenzufriedenheit während der gesamten Lebensdauer eines Produktes - wobei dem schnell reagierenden Kundendienst eine besondere Stellung eingeräumt wird. Der Techniker Helmut Sauter z.B. ist mit Notebookcomputer und Mobiltelefon für Hewlett Packard unterwegs [8] - der Kontakt zur Firmenzentrale geschieht überwiegend per Datenleitung. Ein weiteres Mittel zur engen Bindung zufriedener Kunden sind Online-Foren, in denen Kunde und Firma per E-Mail kommunizieren. Die Betreuung solcher Foren liegt in den Händen sogenannter SysOps, die ihre Aufgabe von irgendeinem Computer auf der Welt aus wahrnehmen können.

Outsourcing: Die Konzentration von Unternehmen auf ihre Kernkompetenzen führt zu höherer Effizienz. Das Großunternehmen der Zukunft wird aus einem kleinen Kern von Angestellten bestehen und einer Menge kleiner Firmen, welche auf Vertragsbasis arbeiten [9]. Teile des Produktionsbereichs, besonders aber Stabsaufgaben wie z.B. Public Relations, Werbung, Personalwesen, Rechnungswesen, Steuerabteilung etc. lassen sich auslagern. Und auch hier liegt die neue Chance für Telearbeit, wie es die "virtuelle Agentur" RCE Marketing Kommunikation des Hamburgers Richard Ebert zeigt.

Der Trend zur Telearbeit läßt sich an den aktuellen Zahlen und Prognosen ablesen. Zwei Industrieverbände (ZVEI und VDMA) beziffern die Anzahl der deutschen Telearbeiter auf 30.000 [10], eine Hochrechnung im Auftrag der EU schätzt sie auf 150.000 [11] und eine weitere Quelle spricht gar von ca. 200.000 [12]. Zum Vergleich eine Zahl aus den U.S.A.: Dort sollen bereits 7,6 Millionen "Telecommuter" [11] im eigenen Haus arbeiten. Bis zum Jahr 2000 - so die ZVEI-VDMA-Studie - werden es 2% aller Erwerbstätigen sein, die in der Bundesrepublik Telearbeit machen, also ca. 800.000 Menschen. Und wenn man alle Outsourcing-Möglichkeiten konsequent durchsetzen würde, käme man auf 4 Millionen - nach anderen Quellen sogar auf 10 Millionen [13].


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Formen der Telearbeit

Eine Reihe von Firmen hat das Potential von Telearbeit schon früh erkannt. Seit 1988 praktiziert IBM Deutschland diese Arbeitsform und mittlerweile sind es 2400 Mitarbeiter [14], die dort als Telependler angestellt sind. Telependeln - auch alternierende Telearbeit genannt - heißt, daß der Mitarbeiter einen Teil der Zeit (z.B. 3 Tage pro Woche) von zu Hause aus arbeitet. Er hat aber noch einen Platz im Büro der Firma und den besetzt er den anderen Teil seiner Arbeitszeit.

Eine andere Form von Telearbeit als Angestellter leistet der Vertriebsingenieur Volker Haase bei Philips Industrial Electronics: Sein Büro im Kasseler Firmensitz existiert nicht mehr - er arbeitet komplett im häuslichen Arbeitszimmer in Frankfurt.

Der angestellte Telearbeiter findet sich recht häufig in der einschlägigen Literatur behandelt [z.B. 10, 13, 15]. Weniger bekannt sind die Telearbeiter, die Fischer [16] als die "Neuen Selbständigen" bezeichnet. Im U.S.-Jargon werden sie "Selfemployed" genannt: Das Neuwort "Selbstangestellter" leitet sich daraus ab. Typisch für diesen "Neuen Selbständigen" ist, daß er als einzelner Selbständiger Arbeiten übernimmt und für andere Unternehmen ausführt, welche diese früher traditionell selbst erledigt hatten oder erledigt hätten, soweit es sich um neue Tätigkeiten handelt. Dabei kommt es weniger darauf an, was er macht, sondern auf welche Weise: Moderne Informations- und Telekommunikationstechniken bilden das Rückgrat seiner Arbeit. Der eingangs vorgestellte Informationbroker Carsten Eichhorn ist das typische Beispiel eines solchen Selbstangestellten.

Telearbeitszentren (auch Telehäuser genannt) bestehen aus mehreren Telearbeitsplätzen, die entweder von Firmen oder Selbstangestellten eingerichtet oder gemietet werden. Häufig in strukturschwachen Gegenden gelegen werden sie dort von den Kommunen in den letzten Monaten zunehmend gefördert. So unterstützt z.B. die Stadt Wien zwei solcher Zentren [17], in der Bundesrepublik gibt es schon über ein Dutzend und in Großbritannien ist man schon seit einigen Jahren mit "Telecottages" vertraut.

Eine interessante Konsequenz der reibungslosen Kommunikation von Telearbeitern untereinander kann ihre gegenseitige Unterstützung, die Telekooperation, sein. So ist z.B. dieser Artikel unter anderem durch tatkräftige online-Mithilfe vieler Telearbeiter entstanden, die mir eigene Erfahrungen berichtet haben, E-Mail-Kontakte zu anderen Telearbeitern vermittelten und mich auf wichtige Quellen in den Netzen hinwiesen.

Einen Schritt weiter geht die "Virtual Corporation", das "Virtuelle Unternehmen": Hier sind mehrere Telearbeiter durch ein gemeinsames Projekt verbunden. Ist die Aufgabe erledigt, löst sich meist das virtuelle Unternehmen auf - der Erlös wird nach einem vorher vereinbarten Schlüssel aufgeteilt. Im allgemeinen gibt es einen Kern bei dieser Form der Zusammenarbeit, einen Koordinator, der unter Umständen auch die Außenkontakte wahrnimmt. Weil Grenzen und Entfernungen bei der Telekommunikation keine Rolle spielen, haben Virtuelle Unternehmen häufig globalen Charakter.


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Felder für Telearbeit

Im Prinzip eignet sich jede Tätigkeit, die mit dem Verarbeiten, dem Beschaffen oder Verbreiten von Informationen zu tun hat, für Telearbeit. Berufe, die die konkrete Verarbeitung von Materialen oder den direkten physischen Personenkontakt erfordern, scheiden von vornherein aus. Andere Tätigkeiten sind eng mit Teamarbeit und dauernder Erreichbarkeit verbunden. Hier ist es von Fall zu Fall sicher möglich, anstelle der physischen Anwesenheit einen Fernkontakt per Telefon, Fax oder Videokonferenz treten zu lassen. Die Erfahrung lehrt, daß z.B. ein freier Fachjournalist mindestens zwei- bis dreimal pro Jahr die Redaktionen, für die er arbeitet, besuchen sollte: Trotz aller Möglichkeiten des Fernkontakts ist das persönliche Gespräch unter vier Augen wichtig.

Welche Arbeitsfelder sind für Telearbeit geeignet? Paul und Sarah Edwards, SysOps im CompuServe Work from Home Forum, veröffentlichen von Zeit zu Zeit eine Liste (und diverse Bücher) zu diesem Thema [18]. Aus den weit über 100 aufgezählten Tätigkeiten seien hier einige erwähnt:

- Übersetzungsdienste: Schon vor der wirtschaftlichen Öffnung der Grenzen im gemeinsamen europäischen Markt operierten viele Firmen mehrsprachig und der Bedarf an Übersetzungen ist seither stark gestiegen. Übersetzungsbüros bilden übrigens schon seit einiger Zeit etwas ähnliches wie Virtual Corporations: Man kann häufig davon ausgehen, daß der einzelne Übersetzer in seinem Mutterland lebt und mit dem zentralen Büro z.B. in Hamburg ausschließlich per Datenleitung verbunden ist.

- Texterfassung, Schreibdienst

- Abstract-Dienst: Wenn man mit der Flut an Informationen Schritt halten will, ist es nötig, Zusammenfassungen (Abstracts) zu lesen. Eine ganze Anzahl von Medien - auch viele elektronische Datenbanken - bieten solche Abstracts an. Der fachlich entsprechend qualifizierte Telearbeiter liest die Originalartikel, faßt sie auf das wesentliche zusammen und verkauft das Ergebnis an entsprechende Dienste.

- CAD-Dienst: Bauzeichnungen, Konstruktionspläne etc. kann ein fachlich qualifizierter Techniker oder Ingenieur per Telearbeit anfertigen und ausliefern.

- Grafik und Design: Computergrafiker entwickeln Layouts, scannen Bildmaterial etc. als Telearbeiter

- Computerberatung: Obwohl der Computer inzwischen ein ganz alltägliches Instrument geworden ist, verlangt seine Vielfalt und Komplexität mehr an Beratung als je zuvor. Tatsächlich ist diese Beratung recht gut in Telearbeit zu leisten - bis hin zur praktischen Softwareschulung per Remote-Control (Fernkontrolle eines Rechners über Datenkommunikation).

- Programmieren: Ein klassisches Feld für Telearbeit, wie schon am Beispiel Elsa Kiel und Werner Nürnberg gezeigt.

- Journalist, Autor: Besonders die kreativ schreibenden Berufe eignen sich zur Telearbeit. Dank schneller Datenbank-Recherchen und Online-Nachrichtendienste für die verschiedenen Sparten sind fast alle nötigen Informationen nahezu überall verfügbar. Ein Beispiel dafür ist Bernd Hendricks [8], der in New York lebt und für deutsche Redaktionen schreibt.

- Daten-Umwandlungs-Dienst: Zwar hat sich die Anzahl von Daten-Standards in den letzten Jahren stark reduziert, es bleiben aber dennoch genug Probleme für den Anwender bestehen, Daten aus einem System in ein anderes umzusetzen. Auch das kann eine typische Form der Telearbeit sein.

- Elektronischer Clippingdienst: Viele Firmen, Institutionen etc. möchten - oft nur über einen begrenzten Zeitraum - verfolgen, wie sich ihr Name oder ein Produkt in der Presse präsentiert. Der elektronische Clippingdienst untersucht alle online erhältlichen Medien nach diesen Kriterien und liefert dem Kunden dann die Artikel oder themenbezogenes statistisches Material.

- Informationbroker: Meist mit den Mitteln der online-Recherche beschafft hier der Telearbeiter - wie Carsten Eichhorn - Informationen für Unternehmen, über Technologien, über den Wettbewerb, über den Markt etc.

- Patentdienst: Viele Patente sind heute schon online nachschlagbar. Auftraggeber für diese Form der Telearbeit können Firmen sein oder auch Patentanwälte etc.

- Webdesigner: Eine neue und zukunftsträchtige Aufgabe, die darin besteht, Präsenzen im World Wide Web des Internet zu planen, entwerfen, auszuführen und zu pflegen.


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Telearbeit aus der Sicht von Unternehmen

Wie schon festgestellt, kann Telearbeit eine logische Folge von Business Process Reengeneering sein, also des konsequenten Umsetzens optimierender Strukturveränderungen in einer Firma. Birgit Godehardt (TA Telearbeit GmbH) zählt einige Probleme auf, deren Lösungen in Telearbeit zu finden sind [19], darunter:

- wenn das Unternehmen aus allen Nähten platzt
- wenn die Kosten für Büroraum zu hoch sind
- wenn die Dienstleistung verbessert werden soll
- wenn die Bildungskosten gesenkt werden sollen.

Zum Beispiel: Ein großes Hamburger Büro für Fachübersetzungen arbeitet mit mehr als 100 telearbeitenden Übersetzern zusammen. Der Kern des Betriebes besteht aus einer Angestellten und den vier Gesellschaftern, die sich im Bürodienst abwechseln. Einer der Gesellschafter: "Keine Lohnnebenkosten, kein Betriebsrat, äußerst niedrige laufende Kosten und damit viel höhere Flexibilität bei schwacher Auftragslage."

Noch ein Beispiel: Richard Ebert, Betreiber der Agentur RCE Marketing Kommunikation, die Werbung, Öffentlichkeitsarbeit und Internet-Services anbietet, ist gleichzeitig einziger Angestellter seiner Firma. Die Grafiker, Texter, Fotografen, Mediabroker, Journalisten etc., mit denen er zusammenarbeitet, sind Telearbeiter. Ebert: "Mein Risiko ist drastisch minimiert. Es sind eben am Monatsende nicht mehr 30 Gehälter fällig, sondern nur die Rechnungen der Kollegen, deren Höhe man vor dem Abschluß des Auftrages kennt und kalkuliert."

Diese beiden Beispiele stellen Extremfälle dar: Es handelt sich dabei schon um Virtuelle Unternehmen. Die geschilderten Vorteile aber - in der einen oder anderen Form - können auch weniger reduzierte Unternehmen durch die Kooperation mit Telearbeitern genießen.

Allerdings wird sich dazu in den Betrieben ein Umdenken als nötig erweisen: Hierarchische Managementmethoden der klassischen Art sind nicht geeignet, das mitunter komplexe Zusammenspiel einer projektorientierten Gruppe von Telearbeitern zu steuern. Das Projektmanagement tritt an die Stelle herkömmlicher Methoden. Martin Jäger, Managementberater bei der Prognos AG, Basel, [20]: "Man sollte Kompetenzen streichen, weitergeben, umverteilen." Der Manager der mittleren Führungsebene wandelt sich dann vom Kontrolleur zum Sozialakteur, der die Mitarbeiter motiviert, trainiert, ihnen weiterhilft. Statt Kontrolle zählt die Koordination.


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Voraussetzungen aus der Sicht des Telearbeiters

Natürlich ist es für den Telearbeiter wichtig, seine speziellen Fähigkeiten mit dem Bedarf des Marktes zu verbinden - weitere Eigenschaften sind Kreativität und die Gabe, Ideen in die Realität umzusetzen. Tatsächlich läßt sich fast aus jeder zündenden Idee - richtig angepackt - ein Geschäft machen. Wichtig an Telearbeit ist es, Problemlösungen anzubieten. Fischer [21] spricht vom "Virtuellen Produkt" als dem Ergebnis eines Problemlösungsprozesses. Es sollte drei der zu Beginn genannten Faktoren erfüllen: Schnelligkeit, Customizing und Total Quality. Problemorientiertes Arbeiten bedingt eine gewisse Flexibilität des Telearbeiters: Es ist zwar nötig, auf einem bestimmten Gebiet Spezialist zu sein, genauso wichtig aber ist es, offen zu sein für Neues, ständig zu lernen, angrenzende Wissensgebiete zu beherrschen. Einige Telearbeiter bezeichnen sich deswegen manchmal scherzhaft als "Mädchen für alles".

Zu den persönlichen Voraussetzungen gehören aber auch scheinbar triviale Aspekte: Wie überwinde ich den inneren Schweinehund, der mich ständig mit Ablenkungen vom Schreibtisch holt? Im Work from Home Forum ist diese Frage häufig ein Diskussionsthema, denn jede Ablenkung kostet ein Schnipsel Zeit und am Ende eines Tages bilden diese Schnipsel unerwartet ganze Stunden ohne Arbeit. In diesen Bereich - ebenso häufig diskutiert - gehören auch Anforderungen der Familie, von Freunden, des Haushalts etc. Der Hund ist auszuführen, das Unkraut im Garten sieht den Telearbeiter anklagend an, irgend etwas muß dringend eingekauft werden, die Oma kommt zum Kaffeebesuch, ... die Liste ließe sich endlos weiterführen. Es ist wichtig, hier Strategien zu entwickeln und sie zu befolgen! Ein Beispiel dafür: Jeden Vor- und Nachmittag werden Zeiten festgelegt (z.B. zwischen 9.00 und 12.00 und zwischen 14.00 und 17.30), die tabu für all diese Anfechtungen sind. Grundsätzlich erfolgt keine Reaktion auf Telefon- oder Türklingeln, keine Arbeit im Haushalt wird übernommen, etc. Allen Freunden und der Familie sind diese Zeiten bekanntzumachen: So zeigt es sich auch, ob die eigene Arbeit von anderen ernst genommen - oder als lukratives, aber eher spielerisches Hobby angesehen wird.

Arbeitsdisziplin - so negativ sich dieses Wort auch anhören mag - ist der Schlüssel zur effektiven Nutzung aller Ressourcen. Das gilt nicht nur in den schon aufgezählten Formen, sondern auch darin, daß man ständig kritisch die eigene Arbeit prüft. Wäre ich selbst der Auftraggeber: Würde mich das Produkt zufriedenstellen? Nur erstklassige Arbeit kann sich auf Dauer gegen den Mitbewerb durchsetzen. Arbeitsdisziplin bedeutet schließlich auch eine ständige Kosten/Nutzen-Analyse. Jeder Auftrag muß ein vernünftiges Verhältnis von Honorar einerseits und Aufwand (Zeit, Materialien, Recherchekosten, etc.) andererseits bieten. "Sonderangebote" sollten Ausnahmefälle bleiben. Honorarvergleiche im Wettbewerb schützen davor, unwissentlich die Preise zu verderben.

Zum Image: Der selbständige Telearbeiter ist auch gleichzeitig Repräsentant seines Unternehmens. Für Auftraggeber ist das Vertrauen in die Firma, von der er die Erfüllung der abgegebenen Arbeiten erwartet, sehr wichtig. Altkunden sind einfach mit der Qualität der abgelieferten Aufträge zu beeindrucken. Für mögliche Neukunden aber zählt zunächst das Image. Künftige Telearbeiter müssen sich daher frühzeitig Gedanken zu diesem Thema machen: Wie ist mein persönliches Auftreten? Brauche ich Visitenkarten, Briefbögen, Informationsmaterialien? Ist eine eigene - vom privaten Anschluß getrennte - Telefonnummer für mein Unternehmen sinnvoll? Empfange ich Kundenbesuch: Wie sieht meine Wohn- und Arbeitsumgebung aus in der sich der Kunde wohl fühlen soll?


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Die Ausstattung des Telearbeiters

Aus manchen Berichten in den Medien gewinnt ein unbedarfter Konsument den Eindruck, daß zur erfolgreichen Telearbeit eine sehr kostenintensive Technik nötig ist. Da sieht man dann interkontinentale Videokonferenzsysteme über extrem breitbandige ATM-Netze in Aktion - eine Technik, die viele nicht einmal dem Namen nach kennen, geschweige denn die Preise bezahlen können. Tatsächlich aber kann Telearbeit - außer in seltenen Spezialfällen - mit weitaus geringeren Investitionen hervorragend praktiziert werden.

Das zentrale Gerät ist natürlich der Computer. Welcher es sein muß, das richtet sich stark nach der beabsichtigten Tätigkeit. Dreht es sich z.B. darum, überwiegend Texte zu schreiben oder Buchführungsaufgaben wahrzunehmen, dann genügt ein relativ einfach ausgestatteter PC mit Windows als Betriebssystem. Möchte ein Ingenieur Konstruktionsarbeiten durchführen oder ein Webdesigner alle Register ziehen, dann muß der PC schon recht gut ausgestattet sein (Pentium-Prozessor, große Festplatte und ausreichend Arbeitsspeicher, gute Grafikkarte, großer Bildschirm, Betriebssystem Windows 95 oder NT). Für einen Grafiker empfiehlt sich ein Apple Macintosh System, derzeit noch das klassische Arbeitsgerät in dieser Sparte. Je nach Ausstattung sind für den Computer zwischen DM 2.000,- und DM 7.000,- zu kalkulieren.

Zur Grundausstattung gehört auch ein Drucker. Moderne Tintenstrahldrucker bieten ein hervorragendes Schriftbild bei guter Auflösung - und viele davon können auch in Konzeptqualität farbig arbeiten. Lediglich für besondere Aufgaben, wie Farbdruck in Fotoqualität, sind spezielle Drucker nötig. Gute Tintenstrahldrucker kosten zwischen DM 400,- und DM 800,-.

Ein zuverlässiges Modem schafft die Verbindung, die für einen Telearbeiter existentiell ist. Es sollte den V.34 Standard erfüllen (also mit einer Geschwindigkeit von 28.000 Bit pro Sekunde arbeiten können), die verschiedenen Methoden der Datenkompression beherrschen und mit dem allgemein üblichen Hayes-Befehlssatz steuerbar sein. Beim Modem zu sparen, empfiehlt sich nicht: Häufige Fehlverbindungen und Verbindungsabbrüche können die Nerven ganz schön strapazieren! Für ein gutes Markenmodem hat man zwischen DM 400,- und DM 700,- auf den Ladentisch zu legen.

Die Anschaffung weiterer Computerperipherie richtet sich nach der beabsichtigten Tätigkeit. Ein Grafiker wird nicht ohne guten Farbscanner arbeiten können und für ihn empfiehlt sich auch die Anschaffung eines externen Massenspeichers. Wer im Multimediasektor aktiv ist, der braucht auch ein CD-ROM-Laufwerk, eine Soundkarte, Lautsprecher und eine besondere Videokarte.

Ein Faxgerät gehört zur Ausstattung des Heimbüros. Zwar kann man auch per Computer und Modem Faxe senden und empfangen, das bietet aber eine Reihe von Nachteilen. So können mit dem normalen Faxgerät auch mal Skizzen, handschriftliche Notizen, Zeitschriftenausrisse etc. gesendet werden. Praktisch ist hier ein multifunkionales Faxgerät, das auch Anrufbeantworter und Telefon integriert hat - solche Geräte gibt es schon ab ca. DM 700,-. Gehört man zu den mobilen Telearbeitern, dann ist ein Handy wichtig und ein Notebookcomputer, der über ein PCMCIA-Modem das Handy reibungslos ansteuern kann. Hier sollte man sich von Fachleuten beraten lassen.

Auch die Investitionen in die Software richten sich nach dem jeweiligen Vorhaben eines Telearbeiters. Hier kann kaum eine Empfehlung ausgesprochen werden, lediglich die, daß man sich Standardpakete (wie z.B. Microsoft Office) zulegen sollte. Der Austausch von Daten mit den jeweiligen Auftraggebern verläuft erheblich reibungsloser, wenn man mit den branchenüblichen Programmen arbeitet. Die Kommunikationssoftware - besonders wichtig für den Telearbeiter - richtet sich nach dem jeweiligen Netz, in dem man arbeitet (dazu gleich noch mehr). Für spezielle Aufgabenstellungen ist manchmal die direkte Verbindung zweier Computer nötig. Dazu gibt es preiswerte Sharewareprogramme (z.B. Telix für Windows), die an Qualität der kommerziellen Software kaum nachstehen.

ISDN oder analog? Diese Gewissensfrage ist für den Telearbeiter nicht allgemein zu beantworten. Sicher ist, daß man im Heimbüro über mehrere Anschlüsse erreichbar sein sollte - privates Telefon, Geschäftstelefon, Fax, Computer. Eingeschränkt läßt sich das mit zwei Analoganschlüssen realisieren - per ISDN können bei höherer Flexibilität die monatlichen Kosten aber geringer sein. Die höhere Geschwindigkeit bei Datenübertragungen allerdings (zwei ISDN-Kanäle ergeben gebündelt 128.000 Bits pro Sekunde) wirkt sich nur bei der direkten Übertragung von Computer zu Computer voll aus - eine relativ seltene Art der Kommunikation. Die Geschwindigkeit der normalen Kommunikation in den verschiedenen Netzen wird von vielen anderen Faktoren bestimmt (Bandbreite der benutzten Leitungen, Verkehrsaufkommen in diesen Leitungen, Auslastung der beteiligten Computer, etc.) und kaum von der Kapazität der Anbindung des eigenen Computers. Und noch ein bedenkenswertes Argument: Die gesamte Datenkommunikation des Telearbeiters bildet den Lebensnerv seines Unternehmens. Alle Komponenten (Computer, Betriebssystem, Software, Modem, Telefonanlage, Netz, etc.) sollten zuverlässig zusammenarbeiten. Das ist bei der analogen Technologie schon seit Jahren realisiert. Die ISDN-Technik andererseits krankt noch an diversen Einführungsproblemen, besonders was die Zusammenarbeit der Komponenten bei der Datenkommunikation angeht. Kennt man sich mit diesen Komponenten gut aus und ist man bereit, dafür Zeit zu investieren, dann ist ISDN sicher keine schlechte Wahl.

Wie schon erwähnt, spielt sich die Datenkommunikation eines Telearbeiters nur relativ selten direkt zwischen zwei Computern (nach Art eines Telefon- oder Faxkontaktes) ab. Diese Art der Verbindung verursacht zum einen - besonders bei Fernkontakten - recht hohe Telefongebühren, zum anderen ist es dazu notwendig, daß sowohl am Sende- als auch am Empfängercomputer während der Verbindung ein Person das Kommunikationsprogramm bedient. Deswegen verwenden die meisten Telearbeiter vorhandene Netzdienste wie CompuServe, AOL (America Online), T-Online oder das Internet - und zumindest einer davon gehört zur notwendigen Ausstattung.

In jedem dieser Dienste erhält jeder Teilnehmer eine charakteristische Adresse. Dazu gehört ein elektronischer Briefkasten, den man immer dann leeren kann, wenn man die Verbindung zu seinem Netzdienst aufnimmt - also auch dann, wenn der Computer abgeschaltet ist, sammelt sich die Post (hier E-Mail genannt) darin zuverlässig an. Ideal ist es, wenn auch die Auftraggeber über eine E-Mail-Adresse verfügen: Zu jeder Tages- und Nachtzeit kann dann ein abgeschlossenes Projekt abgeliefert werden. All diese verschiedenen Netze sind darüber hinaus heute in der Lage, E-Mail untereinander auszutauschen. Ein weiterer Vorteil dieser Dienste ist die ungeheure Menge von Informationen, die aus ihnen gewonnen werden kann, teils aus riesigen Online-Bibliotheken, teils durch E-Mail-Kontakte zu anderen Teilnehmern in den sogenannten Foren oder NewsGroups. Darunter versteht man bestimmte Bereiche in den Netzen, die thematisch geordnet sind - wie z.B. das europäische Telearbeitsforum (GO TWEURO) in CompuServe - und die überwiegend von Teilnehmern besucht werden, die zum jeweiligen Thema etwas zu sagen oder fragen haben. Ein dritter Vorteil der Netzdienste liegt in der Reduzierung von Telefonkosten. Jeder Dienst unterhält eine Reihe von Einwahlknotenstellen. Um die Verbindung herzustellen, wählt der Computer des Telearbeiters die nächstgelegene an (wenn er Glück hat, handelt es sich um ein Ortsgespräch) und dann ist er mit dem weltweiten Netz verbunden. Für die Dauer dieser Verbindung entstehen keine weiteren entfernungsabhängigen Telefonkosten, denn jede Verbindung innerhalb des Datennetzes, wohin auch immer sie führen mag, wird nach ganz anderen Kriterien mit dem Netzdienst abgerechnet - häufig handelt es sich dabei um geringe Monatspauschalen, die eine gewisse Anzahl von Verbindungsstunden enthalten.

Welches Netz ist das richtige für einen Telearbeiter? Dazu ist es schwierig, eine Empfehlung auszusprechen, denn die Unterschiede zwischen ihnen werden immer geringer - und sie verbinden sich untereinander. Die Mutter der Netze (oder auch das Netz der Netze) wird das Internet genannt. Den Zugang dazu erhält man durch einen Provider, dem man für den Internet-Account (darunter versteht man die u.a. persönliche Adresse, den E-Mail-Briefkasten, die Zugangberechtigung und einen gewissen Service) meist einen monatlichen Pauschalbetrag zu zahlen hat. Solche Provider sind inzwischen breit im gesamten Bundesgebiet gestreut. Die Gebühren liegen etwa zwischen DM 35,- und DM 300,-. Die Preisunterschiede erklären sich vor allem aus der mehr oder weniger guten technischen Ausstattung des Providers: Da spielt die Anzahl der gleichzeitig bedienbaren Kunden eine Rolle, die Kapazität der Datenleitungen und vieles andere mehr. Für die Auswahl, die gerade Telearbeiter sehr sorgfältig treffen sollten, und die dazu wichtigen Kriterien gibt es gute Fachliteratur [22].

Hat man die Internet-Verbindung über seinen Provider aufgebaut, dann ist der eigene Computer mit über 30 Millionen anderen in einem weltweiten Netz integriert! Darunter finden sich die Rechenanlagen fast aller Hochschulen und Forschungsinstitute der Welt, viele Bibliotheken, Datenbanken, Firmencomputer, Regierungsstellen, gemeinnützige Organisationen, Presse- und Nachrichtendienste aller Art - und auch viel Überflüssiges. Die Besonderheit des Internets ist seine chaotische Struktur: Es gibt keine Zentrale in diesem Netz, jeder Teilnehmer ist gleichberechtigt und kann anbieten, was auch immer er möchte. Die größte Schwierigkeit ist es daher, auf diesen 30 Millionen Computern das zu finden, was man gerade sucht. Dazu gehört einige Übung - aber die Mühe lohnt sich. Es gibt - vereinfacht gesagt - im Internet nichts, was es nicht gibt.

Zur Nutzung der vielen Möglichkeiten des Internet bedarf es spezieller Software (man spricht hier von Clients), die man zum Teil auch als Shareware aus dem Internet laden kann. Für die Post per Internet ist ein E-Mail-Programm nötig; die Standardprogramme dazu heißen Eudora und Pegasus. Um das viel gerühmte World Wide Web (WWW) nutzen zu können - derzeit die wichtigste Dimension des Internet - braucht man einen Web-Browser. Vor allem zwei Programme wetteifern derzeit um die Kundengunst: Netscape und der Internet Explorer. Die NewsGroups im Internet (es gibt einige tausend davon) entsprechen den schon erwähnten themenorientierten Foren. Es gibt spezielle Programme dafür, sogenannte NewsReader, aber der aktuelle Web-Browser von Netscape beherrscht auch das Senden und Empfangen von E-mail und er enthält einen solchen NewsReader. Weniger bekannte Aspekte des Internet (FTP zum Transportieren von Files, Telnet zur Fernbedienung von Computern, etc.) sind jeweils wieder mit anderen Clients zu benutzen.

Im Gegensatz zum Internet sind die anderen Datendienste sauber strukturiert und zentral geleitet. Zwei davon liefern sich derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen: CompuServe und AOL zählen beide etwa 5 Millionen Mitglieder weltweit. Beide sind auch mit relativ vielen deutschsprachigen Bereichen versehen, wobei CompuServe mit etwa 300.000 Teilnehmern hierzulande die Nase vorne hat. Dieser Dienst ist mit derzeit 14 eigenen Einwahlknoten in Deutschland vertreten, weitere 49 sind über den Datex-P-Dienst zu erreichen und über Datex-J kann der Rest des Bundesgebietes bedient werden - der Ausbau von weiteren eigenen Knoten und besseren Leitungen schreitet zügig voran. Es gibt zwei Preispläne: Der Standardplan schließt fünf freie Verbindungsstunden ein und kostet $9,95 pro Monat (jede zusätzliche Stunde wird mit $2,95 in Rechnung gestellt), der Super Value Plan bietet dagegen 20 Freistunden für monatlich $24.95. Hier kostet die zusätzliche Stunde $1.95. In diesen Preisen ist sowohl der Kerndienst von CompuServe enthalten als auch der unbeschränkte Zugang ins Internet.

Zu den wichtigsten Kerndiensten von CompuServe zählen E-Mail, Datenbanken und Foren. Der E-Mail-Dienst von CompuServe zählt weltweit zu den besten: Es gibt kein Netz, das damit nicht erreichbar wäre. Sogar an Telex- oder Faxgeräte lassen sich hier E-Mails versenden. Das Datenbankenangebot ist überwältigend. Etwa 1800 Datenbanken soll es weltweit geben, mehr als 1000 davon stehen in CompuServe für Recherchen aller Art zur Verfügung, z.B. Paperchase (für medizinische Zwecke) oder der Anbieter IQuest mit über 800 Datenbanken aus allen Wissensgebieten. Manche dieser Recherchen kosten allerdings zusätzliche Gebühren. Einige hundert Foren - darunter auch viele deutsche oder europäische - widmen sich Themen aller Art. In diesen Foren finden sich - weiter nach Sektionen unterteilt - Nachrichtenbereiche (zum direkten Austausch der Mitglieder untereinander) und Bibliotheken mit vielen interessanten themenspezifischen Informationen. Alles läßt sich schnell über mehrere effektive Suchhilfen in diesem Informationskosmos finden.

Obwohl AOL (America Online) in Deutschland noch relativ neu ist, gibt es hier schon 100.000 Mitglieder. 54 Einwahlknoten sorgen für den meist reibungslosen Anschluß, der auch den vollen Internetverkehr erlaubt. Die Grundgebühr von DM 9,90 monatlich enthält zwei Freistunden. Jede weitere Minute kostet DM -,10. Auch AOL bietet die Kernbereiche E-Mail, Datenbanken und Foren. Allerdings zeigt sich hier derzeit noch ein Unterschied zu CompuServe: Das Angebot von AOL ist mehr verbraucherorientiert und weniger für professionelle Nutzung gedacht. Zwar gibt es - besonders im amerikanischen Bereich von AOL - auch einige Fachangebote wie die Library of Congress, Aktienkurse oder die National Geographic Society, der Schwerpunkt aber richtet sich an den privaten Nutzer mit all seinen Interessen.

Auch über T-online kann man heute den vollen Internet-Zugriff bekommen. Der Rest allerdings ist immer noch das alte Btx-System mit all seinen guten und schlechten Seiten. Neben einer monatlichen Grundgebühr von DM 8,- sind für jede Internet-Verbindungs-Minute DM 0,05 zu zahlen. Dazu kommt die Btx-Gebühr von DM 0,06 (werktags 8 bis 18 Uhr) oder DM 0,02 pro Minute. Das kann sich - besonders wenn man das Netz professionell und daher häufig nutzt - schnell zu erstaunlichen Beträgen aufsummen. Außerdem hat man für viele der Btx-Seiten noch weitere Gebühren zu zahlen, die sich zwischen DM 0,06 und DM 10,- bewegen. Etwa 1 Millionen Teilnehmer können von überall in Deutschland in T-online gelangen (mit den Rufnummern 0190 oder 19304). Dort finden sie mehr als 2.800 Anbieter - wenn sie sie finden, denn die Struktur dieses Dienstes ist immer noch recht chaotisch und die Suchfunktionen arbeiten nicht besonders gut. Der berufliche Nutzen hält sich in Grenzen: Man kann E-Mails empfangen und senden, einige wenige Datenbanken stehen zur Verfügung, Foren gibt es nur wenige. T-online ist vor allem zur Firmenpräsentation, zum online-Shopping und -Banking geeignet.

Außer den bisher betrachteten Utensilien braucht der Telearbeiter natürlich noch einen ruhigen Platz zum arbeiten, der möglichst räumlich getrennt ist vom Wohnbereich: Es ist wichtig, daß man hier Unterlagen auch mal liegen lassen kann oder den Computer angeschaltet ohne daß z.B. Kinder ihre neugierigen Forscherfinger in die laufende Arbeit mengen. Gute Tips zur Ausstattung des Heimbüros liefert ein Buch von Bernd Hendricks [8].


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Hilfen zur Telearbeit

Einer ganzen Reihe von Unternehmensberatern ist Telearbeit kein Fremdwort mehr - die eingangs genannten Gründe machen das deutlich. Dort findet sich - vor allem für Firmen - professionelle Unterstützung. Auch einige Ministerien (z.B. das BMWi) fördern Anstrengungen zur Telearbeit, ebenso wie viele Bundesländer [23] und die Telekom. Schließlich ist auch die Europäische Gemeinschaft mit einigen Förderprojekten an diesem Thema interessiert.

Trotzdem: In Deutschland ist besonders die selbständige Telearbeit noch recht neu. Ein Bundesverband Telearbeit (BVTA) e.V. [24] hat sich Anfang dieses Jahres gegründet und sich einen ersten Satzungsentwurf gegeben. Leider wurde aber die Mitgliederwerbung zunächst eingestellt wegen Überschwemmung mit Jobanfragen. Ob und wie es weitergehen wird ist noch offen.

Das derzeit sicher wichtigste Medium für Telearbeiter ist das Telework Europe Forum in CompuServe (GO TWEURO), das auch eine deutschsprache Sektion namens "Telearbeit" enthält. Hier tauschen sich Fachleute und Telearbeiter zu alltäglichen Problemen aus und helfen sich gegenseitig. Und auch bei Rechtsfragen gibt es hier einige versierte Anwälte. Eine monatlich erscheinende Online-Zeitschrift "Telework Europa Newsletter" findet sich kostenlos in der Bibliothek des Forums ebenso wie eine Reihe interessanter weiterer Informationen und Ratschläge. Ein weiteres Forum hat eher amerikanischen Zuschnitt: Das Work from Home Forum (GO WORK) zählt weit über 50.000 Mitglieder, die sich zum Teil aus Telearbeitern - nicht nur aus den U.S.A. - rekrutieren. Manche der Anregungen aus diesem Forum lassen sich auch auf hiesige Verhältnisse anwenden. Ebenfalls aus den U.S.A. stammt die Zeitschrift "Home Business News" [25], die von der American Home Business Association herausgegeben wird. Die "European Telework Week" erscheint online in Großbritannien [26] in mehreren Sprachen und bietet Hinweise auf Ereignisse und Nachrichten zum Thema in ganz Europa.

Neben den speziellen Treffpunkten zur Telearbeit sind es vor allem fachspezifische Foren, aus denen man Hilfen erhalten kann. In CompuServe finden sich zu nahezu jeder Sparte solche Foren, die meist international betrieben werden. Beispiele sind das PR-Forum, das Journalistenforum, die Foren diverser Ingenieursdisziplinen (wie GO EETINT), etc.. Auch die NewsGroups des Internet bieten solche Bereiche, in denen Fachleute miteinander kommunizieren können. So gibt es z.B. für Webdesigner die deutsche NewsGroup "de.comm.infosystems.www.authoring".

Sind wir auf dem Weg in die postindustrielle Gesellschaft? Viele Autoren meinen, dies sei der Fall und sprechen in diesem Zusammenhang von einer Neudefinition der Arbeit. Telearbeit führt die entfremdeten Aspekte "Leben" und "Lebensunterhalt" wieder zusammen: Wie in der vorindustriellen Zeit läßt sich die Arbeit in den Haushalt integrieren - mit höherer Effizienz für Unternehmen und mehr Lebensqualität im weitgehend selbstbestimmten Dasein des Telearbeiters.


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Heimo Ponnath


Die rechtliche Seite der Telearbeit

(Dr. Wolfgang Frisch)

Juristisch gesehen kommt Telearbeit in verschiedenen Erscheinungsformen vor. Sie kann sowohl als unselbständige (Arbeitnehmer) wie auch als selbständige Tätigkeit ausgeübt werden. Beide folgen dabei unterschiedlichen Regelungen.

Selbständige Tätigkeit als Telearbeiter

Relativ unproblematisch ist es, wenn der Telearbeiter seine Arbeit als selbständiger Unternehmer ausübt. Hier kommen für die rechtliche Beurteilung der Telearbeit die Vertragstypen des Werk- oder Dienstvertrages in Betracht. Während bei ersterem das Ergebnis der Tätigkeit im Vordergrund steht und der Telearbeiter sich zur Erzielung eines bestimmten Erfolges verpflichtet, ist bei einem Dienstvertrag die Tätigkeit als solche Gegenstand des Vertrages. Hier ist der Telearbeiter nur verpflichtet, eine entsprechende Tätigkeit zu entfalten, ohne daß er den Eintritt des Erfolges versprechen würde. Als Beispiel für einen Dienstvertrag kann die Beratungsleistung im EDV-Bereich gegenüber dem Auftraggeber oder als Hotline gegenüber den Kunden des Auftraggebers genannt werden. Um einen Werkvertrag handelt es sich dagegen, wenn ein Schreibservice Texte erfaßt oder Buchführungsarbeiten ausführt.

Telearbeit als Arbeitnehmer

Schwierigkeiten ergeben sich jedoch, wenn die Telearbeit im Rahmen eines Arbeitsvertrages ausgeführt wird. Da die Telearbeit auch durch Selbständige ausgeübt werden kann, ist zunächst zu prüfen, ob es sich tatsächlich noch um ein Arbeitsverhältnis handelt. Diese Abgrenzung ist von großer praktischer Bedeutung, da es für den Auftraggeber ein nicht zu unterschätzendes Risiko darstellt, wenn sich ein als selbständiger Unternehmer behandelter Auftragnehmer als sog. "Scheinselbständiger" herausstellt. In diesem Fall droht dem Auftraggeber die Inanspruchnahme durch die betroffenen Sozialversicherungen für nicht abgeführte Abgaben. Außerdem kann sich der Beschäftigte auf Kündigungsschutz berufen, so daß eine Beendigung des Vertragsverhältnisses nur eingeschränkt möglich ist.

Die Abgrenzung zwischen "Arbeitnehmer" und "Selbständigem" erfolgt nach Kriterien, die in der Rechtsprechung herausgearbeitet wurden. Danach kommt es entscheidend auf den Grad der Abhängigkeit des Beschäftigten vom Auftraggeber an. Unter Heranziehung sämtlicher Umstände des Einzelfalls ist es u.a. entscheidend, inwieweit der Beschäftigte in die Betriebsorganisation eingegliedert ist, ob er über die Lage und Dauer der Arbeitszeit, den Arbeitsort und den Inhalt der Arbeit selbst entscheiden kann, ob er noch weitere Auftraggeber hat oder vielmehr ohne eigenes Kapital und ohne eigene Betriebsorganisation nur für einen Auftraggeber arbeitet. Eine feste Eingliederung in den Betrieb würde man z.B. annehmen, wenn er für die Ausführung der Arbeit ständig per DFÜ auf die betriebliche EDV zugreifen muß

Problembehaftet und unklar ist die Anwendung arbeitsrechtlicher Vorschriften. Das Direktionsrecht des Arbeitgebers ist gegenüber dem Hausrecht des Arbeitnehmers abzugrenzen, so daß Weisungen bezüglich des Arbeitsplatzes kaum möglich sind. Ungeklärt ist, wie die Einhaltung der auch für häusliche Arbeitsplätze geltenden Unfallverhütungsvorschriften vom Arbeitgeber sichergestellt bzw. von der Berufsgenossenschaft überprüft werden kann. Bei Arbeitsunfällen im Bereich der Telearbeit ist seitens der Berufsgenossenschaft der Einwand möglich, daß es sich nicht um einen Arbeitsunfall sondern um einen privaten Unfall gehandelt hat. Auch die Beteiligung des Betriebsrates bzw. das gesamte kollektive Arbeitsrecht sind noch weitgehend ungeklärt, ohne daß auf diese Problemstellung hier eingegangen werden kann

Dr. Wolfgang Frisch ist Rechtsanwalt in Düsseldorf; Kontakt:: 100111.302@compuserve.com


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Literatur

1 BMWi-Report: Die Informationsgesellschaft, Bonn 1995, S.2
2 BMWi-Report, l.c., S.60
3 Jaques Delors, zit. im Eckwertepapier Informationsgesellschaft der SPD, S.1
4 Telearbeit, Informationsbroschüre der Deutsche Telekom vom Mai 1996
5 Dr. Peter Fischer: Die Selbständigen von morgen, Frankfurt 1995
6 Fischer, l.c. S.32
7 Fischer, l.c. S.35
8 Bernd Hendricks: Mein Büro ist zu Hause, Stuttgart 1996, S.32
9 George Church, zit. bei Fischer, l.c. S.43
10 Informationsgesellschaft - Herausforderungen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Ergebnisse der ZVEI-VDMA-Plattform, Frankfurt 1995, S.30
11 BMBF: Telearbeit, Bonn 1995
12 Brettreich-Teichmann, Office Management 1-2, 1996
13 Ron Sommer (Deutsche Telekom) auf dem Managerkolloquium Telekooperation, Bonn 1996
14 Wolfgang E. Müller, Telearbeit: My Home is my Office, PC-Anwender 1995 (http://www.bda.de/bda/jp/home/wolfgang.mueller/2.html)
15 Bericht der Unterarbeitsgruppe "Arbeitsrecht" Telearbeit des Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung, Referat IIa7 vom 31.10.95 (http://www.kp.dlr.de/BMWi/gip/fakten/petersberg/aacht.html#aacht)
16 Fischer, l.c. S.121
17 Der Standard online, 16.2.1996
18 P. und S. Edwards: List of the Best Home Businesses, CompuServe Work from Home Forum
19 Telearbeit - eine kurze Einführung und einige Gedankenanstösse, http://www-ftk.fernuni-hagen.de/teletech/komp/ta/telearb.html
20 zitiert bei Hendricks, l.c. S.168
21 Fischer, l.c. S.51
22 Harald Lux: Der Internet-Markt in Deutschland, Heidelberg 1995
23 z.B. Die Task Force Telearbeit in Nordrhein-Westfalen, http://www.media.nrw.de/
24 Kontakt im Internet: http://ourworld.compuserve.com/homepages/alpenland/ta.htm
25 Kontakt im Internet: http://www.homebusiness.com/
26 http://www.mtanet.co.uk/
27 Kontakt: Rainer Pollmann, E-Mail: rpollmann@society.de
28 Kontakt Arne Arnemann, Tel.: 0541 - 969 4201


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