Telearbeit: Zwei Beispiele

(Zu "Telearbeit auf dem Information Highway")


© Heimo Ponnath, Funkschau 21(1994)


Michael Klems

Michael Klems, 27, Information Broker und Autor, lebt und arbeitet in Bergisch-Gladbach: "Im Juni 1991 habe ich offiziell mit einem Gewerbeschein angefangen. Von zuhause aus, mit einem 286er PC, einem Faxgerät und einem Schreibtisch mit allen üblichen Büroutensilien. Die Absicht dahinter war, während meines Ingenieurstudiums etwas Geld zu verdienen."

Schon bald wurde Klems aber von dieser Arbeit so ausgefüllt, daß das Studium in den Hintergrund treten mußte. Heute umfaßt sein Unternehmen mehrere Rechner, viele Meter Akten, eine Sekretärin und seit neuestem einen Partner für einen neuen Geschäftsbereich. Das alles in einem 1993 bezogenen 63qm-Büro. Sein Umsatz ist - er liebt das Understatement - "genug, um ein Büro, eine Wohnung und einiges drum herum bezahlen zu können".

Klems ist aber nicht nur Information Broker, sondern auch Autor zweier Bücher, die mit seinem Beruf zu tun haben: "Informations-Broking" erschien zu Anfang dieses Jahres in Bonn und gibt eine stark praxisorientierte Übersicht vieler Aspekte dieses hierzulande noch relativ neuen Berufs. Ebenfalls 1994 im gleichen Verlag (Thomson Publishing) kam "Die Welt von CompuServe" auf den Markt. Auch hier steht die Praxis im Vordergrund: Mit dem WinCim - einem speziell für CompuServe entwickeltem Kommunikationsprogramm - kann der Leser dieses weltweit größte kommerzielle Datennetz gleich selbst erforschen.

Und das rät Klems potentiellen Telearbeitern: "Persönlich: Selbstbewußtsein, Ausdauer und was sehr wichtig ist: Motivation, auch in harten Zeiten nicht aufzugeben. Beruflich: Einen Riecher dafür zu haben, welche Unternehmen Informationen gebrauchen können. Verkaufen ist am Anfang alles!"


Thomas Unger

Thomas Unger, 40, selbständiger Fachübersetzer und Konferenzdolmetscher, lebt in Perugia (Italien): "Übersetzungen mache ich seit 1978. Mit vorwiegend überregional angesiedelten Kunden arbeite ich seit 1986. Ich lebe zwar im Prinzip seit 1976 in Italien, war aber zwischendurch auch längere Zeit in Deutschland, Lateinamerika und Afrika. Den Umsatz hat das alles nicht nachteilig beeinflußt."

Unger unterhält noch ein Wohnbüro in Berlin, das vor allem aus einem ISDN-Telefon besteht, das ständig nach Italien weitergeschaltet wird. Seine Post aus Berlin wird wöchentlich einmal nachgesandt. "Zu meiner Vorbildung: Ich bin Mathematiker und habe danach noch ein Studium >Übersetzen und Dolmetschen< absolviert. Da ich mich auch mit Software-Lokalisierung für diverse Plattformen beschäftige, ist meine Hardware-Ausstattung vergleichsweise üppig: Neben den obligaten PCs habe ich noch zwei MACs uind eine Sun SPARC-Station. Mehrere Software-Produkte für Textverarbeitung und DTP müssen gute Übersetzer in meinem Fachgebiet (u.a. Übersetzen von Software und Patenten) in jedem Fall beherrschen."

Unger weiter: "Mein innerer Schweinehund äußert sich vornehmlich darin, daß ich morgens meist nicht sehr produktiv bin und am liebsten am späten Nachmittag anfange zu arbeiten. Das kann dann natürlich bis in die Nacht gehen. Generell gilt, daß die freie Einteilung der Arbeitszeit für mich ausschlaggebend für das Teleworking ist. Heute war ich z.B. den ganzen Tag mit Freunden auf einem Weingut im Chianti, ohne jemanden um Erlaubnis fragen zu müssen. Und wenn ich am Wochenende arbeiten muß, stört mich das eigentlich nicht."

Und wie sieht Ungers Arbeitsumfeld aus? Träumen wir gemeinsam: "Der Blick aus meinem Büro? Super: Sanfte umbrische Hügel mit meistens mehr als 20km Panorama - bis über Assisi hinaus."


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